Konzerte & Party

Purity Ring im Berghain

SebastianMlynarskiEs heißt, dass die Liebe mit der Entfernung wächst. Für Megan James und Corin Roddick scheint da etwas dran zu sein. Das Duo ist zwar kein Liebespärchen, wohl aber ein Songschreiberpaar. Und tatsächlich mussten die beiden erst in die Ferne schweifen und die gemeinsame Heimatstadt Edmonton hinter sich lassen, um aus der Distanz heraus zusammenzufinden. Purity Ring heißt die Band, die Selfmade-Produzent Roddick und Sängerin James 2010 mittels Daten-Austausch gründeten: Er mit Internet-Anschluss in Montreal, sie in Halifax. Dabei war Roddick schon zu Edmonter Zeiten, als James noch allein mit Klavierbegleitung auftrat, ein Fan. In ihrer Leichtigkeit und Feinheit erinnert ihre Stimme ein wenig an die von Leslie Feist – zu schön fast, um sie mit süßen Popklängen zu überziehen.

Den besseren, überraschenderen Gegenpol braut der 21-Jährige am Computer sowie einem selbstgebauten Zwittergerät aus Drum-Machine und Synthie zusammen. Es ist ein Sound um verquere Beats mit wabernden Dubstep-Bässen und eisigen 80er-Synthies. Mancher würde dazu intuitiv den Einsatz eines Rappers erwarten, doch die Verbindung mit James’ ätherischen Melodien ist fraglos romantischer. Die Färbung freilich spielt ins Tiefschwarze, sobald man ihren Worten näher lauscht. Es geht um perforierte Augenlider, geöffnete Körperwände oder leblose Körper, die bei Nacht verscharrt werden – Sprachbilder wie aus den Horrorerzählungen Edgar Allen Poes oder den vampirischen Nachtwelten Tim Burtons. Dem Debütalbum „Shrines“ fehlt zwar noch eine Dimension zum ganz großen Wurf, doch liefert dessen Grundrezeptur schon jetzt etwas erfreulich Eigenständiges.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Sebastian Mlynarski

Purity Ring Berghain, Mi 14.11., 21 Uhr, VVK: 14 Ђ zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren