Konzerte & Party

Puschenfest im Festsaal Kreuzberg

Puschen„Angefangen hat alles, weil ich unbedingt wollte, dass meine Lieblingsband ‚Hood‘ in Bielefeld live spielt. Das war Ende der 90er-Jahre.“ Andreas Oberschelp stockt, streicht sich die Haare aus dem Gesicht, dann grinst er verlegen. Über einen Freund bekam er die Nummer der Band, wenig ­später standen die Indie-Rocker aus Leeds in Bielefeld auf der Bühne. Danach organisierte Oberschelp eine komplette Deutschland-Tour für die britische Band. So kam eines zum anderen. Mittlerweile wohnt der 39-Jährige in Berlin, ist Chef seiner eigenen Booking-Agentur Puschen und feiert am ersten Freitag im August ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem kleinen Festival im Festsaal Kreuzberg.
Max TundraDie kaum bekannte Band „Hood“ ist nach wie vor unter den inzwischen etwa 55 Künstlern, wie Of Montreal oder Okkervil River, die die Puschen-Agentur betreut. Und nach wie vor steht die Geschichte des Anfangs für das, was Oberschelp nicht nur musikalisch mit seiner kleinen Firma will. „Indie-Bands mit viel Gitarrengeschrammel sind schon das, was mich am meisten anspricht“, sagt Oberschelp. „Aber eigentlich ist mir der Stil relativ egal, Hauptsache einzigartig und nicht die 100. Neuauflage irgendeiner ‚The‘-Band.“ Jede einzelne Band, jeder Solo-Künstler in der Puschen-Liste fällt durch eigenwillige  Klangcollagen auf, ihnen gemeinsam ist ein experimenteller Umgang mit Instrumenten, Stimme und Rhythmen, wobei sie sich aus der gesamten Bandbreite musikalischer Genres bedienen. Wie das DIY-Projekt  „tUnE-yArDs“ der Amerikanerin Merrill Garbus, einer der vier Acts auf dem Puschenfest. Zwischen Ukulele und Schlagzeug klackt, knackt und scheppert es, Garbus sammelt seit Jahren Alltagsgeräusche und Gespräche, die sie in ihre Songs einspielt, dazu sampelt sie ihre eigene Stimme. Oder Max Tundra alias Ben Jacobs (Foto rechts), sicherlich eines der Highlights des Festes. Sechs Jahre hat er an seinem aktuellen Album „Parallax Error Beheads You“ (2008) gebastelt. Sein liebstes Werkzeug: Der Commodore Amiga 500. Es gibt wohl keinen Stil aus den letzten 30 Jahren – ob Pop, Rock, Disco, Funk, Techno, Rap, Metal oder Soul –, den man nicht in seinen oft bis zu zehnminütigen Songs entdeckt. Ein gewaltiger Soundekletizismus, in dem jeder Melodieschnipsel liebevoll arrangiert ist. „Die Künstler auf dem Festival sollen unsere Agentur repräsentieren“, sagt Oberschelp. Neben Max Tundra und tUnE-yArDs treten noch These Are Powers (Bild links unten) und Bear In Heaven auf. Außerdem liest der Sänger von The Chap, Johannes Von Weizsäcker, aus den Kochbüchern von Nigel Slater.
These Are Powers„It’s Puschen, a european booking agency“ heißt es auf der Homepage, aber das ist missverständlich. Mit Expansionsbestreben hat das nichts zu tun. „Wir buchen für Musiker aus aller Welt europaweit Tourneen“, erklärt Andreas Oberschelp. Das Puschenfest mit seinen vier Bands ist ein überschaubares, aber besonderes Festival. Das gleiche gilt für die kleine Firma mit Sitz in Kreuzberg. „Und das soll auch so bleiben“, sagt der Chef. „Ich will das auf dem Level halten, auf dem es jetzt ist.“ Bis vor drei Jahren war Puschen ein Ein-Mann-Unternehmen. Weil das irgendwann nicht mehr zu schaffen war, hat sich Oberschelp Susanne Herrndorf als zweite Bookerin und Stephanie Piel als Assistentin dazu geholt: „Eigentlich wollte ich alles alleine machen, um den Prozess von Anfang bis Ende mitzuerleben.“ Seine Kollegin Herrndorf betreut fünf der Bands, Oberschelp den Rest. Und zu allen halten sie einen sehr persönlichen Kontakt. Manchmal begleitet Oberschelp seine Künstler auf ihren Live-Touren. Wenn sie in Berlin auftreten, kommen die Bands in der Vier-Zimmer-Wohnung vorbei, die sich das Puschen-Team mit zwei anderen Agenturen als Büro teilt. „Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, ob ich das alles richtig mache“, sagt Oberschelp, der nie ein Praktikum oder eine Ausbildung in einer Booking-Agentur gemacht hat. „Aber irgendwie funktioniert’s, und das schon seit zehn Jahren.“

Text: Katharina Wagner

Puschenfest, Festsaal Kreuzberg, Fr 6.8., 20 Uhr, VVK: 15 Euro (zzgl. Gebühren) unter www.koka36.de, AK: 15 Euro

Infos unter www.puschen.net

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