Konzerte & Party

PVT: „Church With No Magic“

PVT: Richard und Laurence Pike ­saßen zum ersten Mal vor elf Jahren in Sydney vor dem Rechner und an den Instrumenten. Sie nannten sich ­Pivot, probierten viel aus und debütierten 2005, von der Weltöffentlichkeit zunächst unbemerkt, mit dem Album „Make Me Love You“. An Ambientmusik und Vangelis angelehnte, cineastisch anmutende Instrumentals waren dem Brüderpaar auf Dauer aber zu gemütlich. Sie holten den mit Laptops arbeitenden Electronica-Produzenten Dave Miller zu sich und schon kam mehr Zug in ihre Musik. Das zweite Album „O Soundtrack My ­Heart“ klang völlig anders, war härter und deutlich von den amerikanischen Avantgarde-Größen Tortoise und Battles beeinflusst. Das blieb einer US-Band, die sich auch Pivot nennt, nicht verborgen. Ihr Anwalt verschickte einen blauen Brief, woraufhin Miller und die Pike-Brüder den Namen kürzten.
Querelen sind eigentlich nichts Gutes. Für die Australier aber waren sie ein Ansporn. Man spürt, dass sie nochmal ein Ruck durchfahren hat. Gleich zu Beginn poltert das Schlagzeug in „Light Up Bright Fires“ bedrohlich, surrt der Synthesizer wie ein nerviges Insekt, baut sich Richard Pike wie ein düsterer Dämon auf und singt dabei, zum ersten Mal überhaupt. Im Titelsong hat man den Eindruck, als erscheine Alan Vega vor den Ohren. Die Stimme wird auf diesem ­Album immer wie ein zusätzliches ­Instrument eingesetzt und ist nicht etwa ein Mittel zur ­Erzwingung größerer Zugänglichkeit im Sinne von Pop.
PVT halten sich an keine Regeln mehr, sie stellen mit „Church With No Magic“  ihre eigenen auf. Ihre Musik kann problemlos live gespielt werden und enthält viele maschinelle Elemente, klingt aber trotzdem nie nach einer platten Mischung aus Elektronik und Rock. Die Art, wie hier analoge und digitale Kräfte zusammenwirken, wie die Band die Herausforderung sucht, sich um körperlich wirkenden Klang bemüht, wie sie experimentiert und dabei nie das Gefühl für Struktur verliert, erinnert stark an die ­Ideen des großen deutschen Produzenten Conny Plank.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

PVT, Church With No Magic (Warp/Rough Trade)

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