Konzerte & Party

R. Kelly: „Soulacoaster: The Diary Of Me“

R. Kelly

Man weiß nicht viel über R&B-Entertainer R. Kelly. Und das, was man von ihm weiß, hätte fast sein Leben und seine Karriere zerstört. Davon liest man in seiner Autobiografie aber leider nicht viel. Die Vorgänge, die in seiner Heimatstadt Chicago zur Anklage wegen Sex mit Minderjährigen und Kinderpornografie geführt haben und mit Freispruch endeten, beschreibt er nur oberflächlich. Über die fix annullierte Ehe mit der damals nicht volljährigen Sängerin Aaliyah erfährt man kein Wort. Dennoch weiß man am Ende mehr über den Sänger. Man kann etwas von seiner musikalischen Energie erahnen, wenn er erzählt, dass er die großen alten Isley Brothers kurz vor Abflug vom Flughafen zurückholen musste, weil ihm blitzschnell ein Song für sie eingefallen war. Auch verließ er eines Nachts heimlich das Hotelzimmer, das er mit seiner späteren Ehefrau teilte, um drei Frauen aufzusuchen, die ihm ihre Zimmernummer gegeben hatten. Am Ende blieb er jedoch im Fahrstuhl stecken. Dort hatte er dann hoffentlich ein wenig Zeit zur Besinnung.
Musikalisch gesehen steht der Mann übrigens wieder besser da. Sein jüngstes, bei uns nur als Import erhältliches Album „Write Me Back“ begeistert mit toll interpretierten Verweisen auf den Soul der Siebziger.

Text: Thomas Weiland

Foto: Gary Land

R. Kelly (mit David Ritz) – „Soulacoaster: The Diary Of Me“, Smiley Books, New York, 377 Seiten, Englisch, 19 Euro

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