Konzerte & Party

Rachel Grimes im HBC

Rachel Grimes

„Glaubst Du wirklich an diesen Spruch: Technology Is Killing Music?Rachel Grimes verfällt angesichts dieser Frage in kurzes Gelächter: „Nein, natürlich nicht – dieser Albumtitel meiner damaligen Band Rachels war ein Witz, denn ich höre viel elektronische Musik, vor allem Ambient“, sagt die rothaarige Pianistin aus Kentucky. „Natürlich nervt es mich, dass durch den digitalen Wandel immer mehr die Qualität in der Musik verschwindet – ich meine, damals wäre doch niemand jemals auf die Idee gekommen, Led Zeppelin über Ohrstöpsel zu hören, denn man hätte die Musik einfach nicht verstanden.“ Rachel Grimes kam schon früh mit klassischer Musik in Berührung: „Ich war noch ganz klein und saß schon auf dem Schoß meines Vaters und spielte mit ihm Klavier.“ Vor allem Bach, Satie, Debussy, aber auch Duke Ellington hatten einen großen Einfluss auf sie. „Später, auf der High School, kam dann natürlich Rock dazu, und ich selbst spielte auch in einer Menge Indie-Bands“ sagt die ausgebildete Komponistin. Zehn Jahre lang war sie Mitglied von Rachels, einer Band, die die Grenzen zwischen Indie und Kammermusik verschwimmen ließ. Mittlerweile tourt Rachel Grimes als Solo-Künstlerin durch die Welt, komponiert Filmmusik und improvisiert regelmäßig Klavierstücke für eine experimentelle Theatergruppe aus New York. „Ich bin aber kein Stadtmensch“, sagt Grimes. „Bald ziehen mein Mann und ich endgültig aufs Land, wo wir schon seit fünf Jahren einen Bauernhof renovieren und unser eigenes Gemüse anbauen.“ „The Book Of Leaves“ ist ein Dokument dieser Entscheidung, dieser Leidenschaft für die Natur. Die vierzehn Stücke wirken wie die szenische Begleitung zu einer in warmen Farbtönen ruhenden Herbstlandschaft. Als verstreiche die Zeit plötzlich geduldiger, wirkt die schroffe Großstadthektik plötzlich fremd, so als betrachtete man das Treiben durch beschlagene Brillengläser. Immer wieder unterbrechen kleine Skits zwitschernder Vögel die reinen Klavierstücke, von denen besonders „Mossgrove“ auffällt. Grimes hat sich dazu einer Technik bedient, die man von Künstlern wie Steve Reich kennt. Dabei werden nicht nur die Saiten des Klaviers zur Tonerzeugung benutzt, sondern das gesamte Instrument. Das Pedal bleibt heruntergedrückt, sodass die kurzen Akkorde schier endlos verhallen, ineinandergreifen und mit dem Klang des
vibrierenden Holzes
verschmelzen. „Vor allem die Hörer in Europa sind total begierig, solche Musik aus einem echten Klavier zu erleben, und deshalb kommen sie auch zu meinen Konzerten.“

Text: Lucas Negroni

Rachel Grimes, HBC (ehem. Haus Ungarn), So 14.11., 21 Uhr, VVK: 10 Euro

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