Konzerte & Party

„Rain Machine“ in der Volksbühne

Rain MachineIm September 2009 verkündete Tunde Adebimpe, dass TV On The Radio ein Jahr pausieren werden. Nach dem Erfolg ihres vierten Albums „Dear Science“ widmen sich die experimentellen Soulrocker, deren Karriere auch den Aufstieg Brooklyns zum musikalischen Epizentrum des frühen 21. Jahrhunderts markiert, zeitweilig eigenen Projekten. Den Anfang macht Kyp Malone mit seinem Soloprojekt Rain Machine. „Seit ich 2000 nach New York gezogen bin, habe ich allein Songs geschrieben und aufgenommen. Anfangs, weil ich niemanden in der Stadt kannte, später, weil es mir eine Freiheit gab, die ich in der Gruppe nicht hatte“, erzählt der Sänger und Gitarrist. Mit Rain Machine rückt er vom Upbeat und Discoboogie der letzten TVOTR-Phase ab und kehrt zu deren rauen Lo-Fi-Anfängen zurück. Er lässt seinem Falsett und der speziellen Anschlagtechnik, mit der er die Akkorde lange ausklingen lässt, viel Raum und zeigt sich als geistvoller Sänger von brüchigen Balladen und mystischen Gesängen, deren Referenzen bis zu Richie Havens, Exuma, dem karibischen „Obeah-Man“, dessen Exotika-Soul in den 70ern für Furore sorgte, und Bonnie Prince Billy reichen. Trotz spröder Eindringlichkeit und seelenvoller Introspektion arrangiert Malone um seine Songs keineswegs simple Folk-Miniaturen, die einzig Worte und Stimmungen un­termalen sollen. Dafür ist er ein viel zu arrivierter Klangtüftler, der sich vom Blues, Folk und Soul ebenso inspirieren lässt wie von früher Elektronik, Psychedelia, New Wave und den musikalischen Tradi­tionen Japans und Afrikas. Wenn alle kreativen Schaffens­pausen solche Einzelergebnisse hervorbringen würden, wünschte man sich ein jähes Ende für so manche Band.

Text: Jacek Slaski

Rain Machine, Volksbühne, Fr 2.4., 20 Uhr, VVK: 20/16 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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