Konzerte & Party

Rap am Mittwoch: Ben Salomo im Interview

Foto: Dung Nguyen

Legendäres Eins-gegen-Eins-Battle bei der Battlemania Championsleague: Koozy versus Mighty Mo. Ben Salomo steht rechts im Bild. Fotos: Dung Nguyen

Warum HipHop?
HipHop ist für mich nicht bloß eine Musikrichtung sondern eine Kultur und eine Philosophie. In der anonymen Urbanität der Großstadt, in der man ganz leicht im grauen Niemandsland verschwindet, ermöglichte es mir diese Kultur, mich als Individuum auszudrücken und aus der grauen Masse herauszustechen.

Wie siehst Du die Berliner Szene? Gibt es Besonderheiten?
Die Berliner Szene ist sehr dynamisch und durch einen unbändigen Willen geprägt, eigene Styles hervorzubringen. Während andernorts Styles oft einfach adaptiert wurden, haben die Berliner immer versucht eigene Wege zu gehen, egal ob Rap, Graffiti, in der Musik oder im Tanz.

Und Euer Publikum? Oder das HipHop-Publikum in Berlin allgemein? Eventuell auch im Unterschied zu anderen Städten/Ländern?
Unser Publikum ist sehr dynamisch und durchmischt. Bei uns treffen Hip-Hopper auf Hipster und Studenten auf Leute von der Straße, doch alle verbindet die Begeisterung für Rap und das Interesse an der sportlichen Auseinandersetzung im Battle. Inzwischen haben wir sehr viele Fans, die aus anderen Städten extra nach Berlin anreisen, um Rap am Mittwoch live zu erleben. Außerdem nehmen oft auch Künstler aus anderen Ländern in der Cypher teil und deren Reaktionen sind immer sehr positiv.

Und das Musikbusiness?
Das Musikbusiness ist wie es ist. Profitorientiert und immer bestrebt mit wenig Anstrengung und geringer Vorleistung den größten Gewinn zu erwirtschaften. Dabei bedient es die aktuellen Trends und geht selten ein Risiko ein.

Wo würdest Du RAM dort einordnen?
RAM ist freie Plattform für jedermann, eine Schule, eine Community, eine Talentschmiede. Das, was früher die Labels bzw. die Musikindustrie leisten musste, um neue Talente zu fördern und sie durch jahrelange und teure Promotion überregional aufzubauen, leistet nun RAM.  

Wie kam das?
Die Idee ist uralt und in der Pionierzeit der Berliner Rap-Szene, so um das Jahr 1999-2000, entstanden. Damals gab es einige gute Cyphers in Berlin und RAM gehörte, wie der Royalbunker, zu den bekanntesten Treffpunkten seinerzeit. Als ich 2010 das Revival der Cypher in die Tat umsetzte, habe ich einfach die technischen Möglichkeiten von heute genommen (HD Kameras, YouTube, Facebook etc.) und mit den Idealen von einst verbunden.

Wie findest Du die Talente? Oder finden die Dich?
Die Talente finden uns würde ich sagen, durch unsere Präsenz auf YouTube und in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Jeder Newcomer, der RAM Videos schaut, erkennt schnell, dass es eine hervorragende Plattform ist, um auf sich aufmerksam zu machen, Connections zu knüpfen und evtl. seine Fähigkeiten zu verbessern. Täglich bekomme ich Mails mit Teilnehmeranfragen, denen schreibe ich dann immer: „Kommt einfach vorbei und stept in die Cypher!“

Foto: Dung NguyenWas ist das Besondere? Wie würdest Du die Philosophie beschreiben?
Die Philosophie hinter RAM ist ganz klar „RESPEKT“! Mir ist es wichtig, den Mut hervorzuheben, den man haben muss, um sich auf eine Bühne zu stellen und zu freestylen oder seinen Text vorzutragen. Viele Künstler sind Live noch recht unerfahren und machen Anfängerfehler. Hier sehe ich es als meine Aufgabe an, ihnen einen kleinen Workshop zu geben und das Publikum daran zu erinnern, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

Worin siehst Du Gründe für den Erfolg?
Ich denke RAM bietet viele Aspekte, die es so erfolgreich machen. Die Tatsache, dass dort jeder hingehen kann und eine Chance bekommt, sich einen Karrierestart aufzubauen, basierend auf der eigenen Leistung, ist ein absolutes Novum in der Deutschen Rap-Landschaft. Hält man sich vor Augen, dass Künstler wie Karate Andi schon mit dem Gedanken gespielt haben, Rap komplett an den Nagel zu hängen, aber dann, durch ihre Präsenz bei RAM einen Hype bekamen, welcher in einem Album mit Chartplatzierung gipfelte, macht mich das stolz. Das unterstreicht dann unseren Slogan „HOL DIR DEIN FAME“ und gibt ihm seine Reputation.


Wo soll es hingehen? Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich möchte das Event immer weiter professionalisieren, vielen weiteren Talenten eine Plattform bieten und was die Battles betrifft, in eine Richtung gehen, bei der man von einer Profiliga sprechen kann. Außerdem würde ich RAM gerne auch in anderen Regionen aufziehen, weil ich glaube, dass es ganz viele Talente gibt, die wegen der großen Distanz, nicht regelmäßig den Weg nach Berlin auf sich nehmen können.

Wieso BMCL?
Die BMCL ist eine konsequente Weiterführung des BATTLEMANIA Konzeptes. International gilt die Disziplin der „A capella Written Battles“ als die Königsdisziplin im Rap und nach drei Jahren konsequenter Aufbau- und Aufklärungsarbeit, war es ab der 4. RAM Saison endlich an der Zeit, dieses Format umzusetzen.
 
Was ist das Besondere?

Das Besondere an der BMCL ist, dass die Künstler acht Wochen Zeit haben, sich aufeinander einzustellen, die Schwächen des Gegners zu recherchieren und dadurch maßgeschneiderte, gegnerbezogene Punch Lines zu schreiben. So bekommt das Battle eine lyrische Dimension, die besonders unterhaltsam ist.

Wo siehst Du Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu Veranstaltungen wie EOW oder „Don’t let the Label label you“?
All diese Veranstaltungen sind eine Bereicherung und wichtig für eine eigenständige und lebensfähige HipHop Kultur. EOW bedient dabei zwar weniger die klassische „1 gegen 1 Battle-Kultur“, hebt dafür jedoch andere Rap-Disziplinen hervor. DLTLLY hingegen, verbindet mit RAM zwar die gängigen „A capella Written Battles“, aber RAM unterscheidet sich von beiden Events insofern, dass die Open Mic Cypher eine tragende Rolle spielt, bei der jeder spontan teilnehmen darf und wenn man die Crowd überzeugt, kann man am selben Abend sogar am Battle teilnehmen. Hat man dann noch die passende Schlagfertigkeit und das nötige Quäntchen Glück, kann man sich bis ins Finale kämpfen und sogar 200 Euro gewinnen.

Wer sind momentan die größten Talente, die Du bei Deinen Events beobachtest?
In dieser Saison haben sich ganz klar drei Namen in den RAM Olymp vorgekämpft: Fresh Polakke, Gozpel und Ssynic.

Was ist mit eigenen Projekten? Was hast Du schon gemacht? Was ist geplant?
Ich selbst bin seit 1997 musikalisch aktiv und habe mit meinen Crews Illuminaten und  Kaosloge diverse Alben veröffentlicht. Zurzeit arbeite ich an einem Soloalbum und wenn meine Planung hinhaut, sollte es auch dieses Jahr rauskommen. Konkret kann ich noch kein Datum nennen, wer aber beste Rap Unterhaltung erleben möchte, der sollte einfach jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im Bi-Nuu vorbeischauen, wenn es wieder heißt: „Rap am Mittwoch kommt alle mit doch wenn ihr nichts mit HipHop am Hut habt müsst ihr gehen!“

Interview: Susan Schiedlofsky

Rap am Mittwoch + Battlemania Championsleague Bi Nuu, Im Schlesischen Tor, Kreuzberg, je erster und dritter Mittwoch im Monat, 20 Uhr, 9 Ђ

Alle Battle gibt auf dem Rap-am-Mittwoch-Youtube-Channel

Lesen Sie hier:

Die Anfänge des HipHop in Berlin

HipHop is back – Über die HipHop-Szene in Berlin

Breakdance in Berlin

Mehr über Cookies erfahren