Konzerte & Party

Rap History Berlin No. 11

Vor ungefähr drei Jahren hatten die beiden Schweizer Ivan Sterzinger aka DJ CEO Müller und Klemens Wempe aka Soulsonic die Idee für ein simples, aber in dieser Form noch nie praktiziertes Party-Konzept: die Rap-Geschichte der letzten Dekaden fein säuberlich in einzelnen Jahrgängen aufzubereiten. Konkret hieß das für sie, in regelmäßigen Veranstaltungen ausschließlich Tracks aus einem bestimmten Jahr aufzulegen, beginnend 1979, und dann chronologisch mit jeder Party ein Jahr voranzuschreiten. Und das hat funktioniert, die Idee wurde gut aufgenommen. Auch bei Berliner Freunden aus der Szene, die kurzerhand beschlossen, das Konzept in der eigenen Stadt umzusetzen. So kam es, dass K-Boogie aka Karin, Dejoe, Huzr aka Sven, Marc Hype und DJ Scientist seit Oktober 2007 regelmäßig zur Rap History in den Club Bohannon laden.

Dass die Partys mit einem besonderen Charakter punkten können, wird
schon beim Betreten des Clubs deutlich. So sind beispielsweise
sämtliche relevanten Releases des betreffenden Jahres fein säuberlich
gelistet an die Wand projiziert. Aber – und das ist wahrscheinlich
entscheidend – niemals hat man als Besucher den Eindruck, aufdringlich
belehrt zu werden.

Rap History


Mit Nachhilfestunden haben die Partys nichts gemein. Das Rap-Motto „Each one, teach one“ in der Tradition von KRS-One & Co. ist zwar allgegenwärtig, aber auf angenehme und dezent subtile Art. „Man reflektiert die Musik normalerweise nicht unbedingt in dem Maße, wie das bei der Rap History stattfindet. Wir haben zudem ja auch immer einen Gast dabei, der ein Spezialist für das entsprechende Jahr ist“, erläutert Veranstalterin Katrin. „Manchmal haben die Leute schon gefragt: ,Wann spielst du denn mal was Neueres?‘ Da musste man ihnen das Prinzip erklären, dass sie da bis mindestens zur nächsten Party warten müssen“, ergänzt DJ Marc Hype.
Ergänzt werden die Partys gelegentlich durch Specials. So konnte man beispielsweise Busy B – die Legende aus dem Hip­Hop-Filmklassiker „Wild Style“ – in die Hauptstadt holen. Und auch als Rap-Guru Egyptian Lover anreiste, war der Club brechend voll. Wie viele Besucher kommen und aus welchen Generationen sie stammen, das ist unberechenbar, weiß die Betreiber-Crew aus ihren bisherigen Erfahrungen zu berichten.

Rap History


Wie gut die Idee beim Publikum ankommt, merkt man jedoch am besten in der Praxis. Zum Beispiel, wenn ein nicht mehr ganz junger Mann plötzlich spontan auf der Tanzfläche im Breakdance brilliert. Er komme aus Australien, mache das dort seit Jahren professionell und sei gerade in Berlin zu Besuch. Zufällig sei er hier gelandet, erklärt er später und zeigt sich dabei komplett begeistert vom Vibe der Party. Und von den Zugaben, denn auf den Partys gibt es neben Gewinnspielen passend zum jeweiligen Jahr auch immer ein kleines Magazin plus CD-Mixtape für faire fünf Euro. Die Ausgaben sind jetzt schon sehr begehrt und beispielsweise auch online unter www.hhv.de erhältlich.
Obwohl man sich derzeit – getreu der Chronologie – stilistisch noch dem Dekadenwechsel zwischen den 80er und 90er Jahren widmet, ist die Event-Serie keinesfalls nur ein Oldschool-Revival.

Rap History

Das möchte auch Marc Hype noch mal betonen: „Wir machen das schließlich so lange, bis wir in der Gegenwart angelangt sind.“ Und die wird in diesem Falle das Jahr 2009 sein. Denn schon jetzt steht fest, dass die Rap History den Jahreswechsel locker überdauern wird.

Text: Jan Schimmang mit Dirk Laubinger


Rap History
Berlin No. 11  – das Jahr 1989

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