Konzerte & Party

Im Festsaal Kreuzberg: Raphael Saadiq

RaphaelSaadiqSchon verrückt, wie alt das Neue derzeit klingt. Wer Motown, Seventies-Soul und Blaxploitation seinerzeit verpasst hat, und sei es aus Altersgründen, dem ist die Musikgeschichte doch ein Candyshop: Amy Winehouse, Duffy, Adele, Jesse Dee, Bryn Chris­topher, John Legend, Mayer Hawthorne, Black Joe Lewis und nun Raphael Saadiq – warum sind sie nur alle so gut?!
Angesichts der Biografie von Raphael Saadiq ist die Erklärung eher einfach: weil sie sich was trauen. Trauen, nicht HipHop-fixiert, nicht sexistisch, nicht Gangster-verliebt zu sein und nicht länger auf tribalistischen Aspekten afroamerikanischer Images rumzureiten. Dabei hätte Charles Ray Wiggins – so der bürgerliche Name von Saadiq – Material genug für die Karriere eines Bösewichts: zwei Brüder an Drogen und blindwütige Ballereien verloren, die Mutter versehentlich von einem Cop erschossen – jahrelang hielt er diese Traumata heraus aus seiner Musik. Gründete mit Cousin und Bruder die R&B-Band Tony Toni Tonй!, arbeitete als Songwriter und Produzent für D’Angelo, Ery­kah Badu, John Legend und Mary J. Blige, bis er sich schließlich dem Motown-Erbe widmete. „Instant Vintage“ hieß sein Solodebüt 2002, Gospedelic nannte er seinen Neo-Soul-Mix. Nun, mit Album Nummer drei, kehrt er nicht nur zu hochmodernem Soul und Doo- Wop zurück, inklusive stilvoll gekleidetem Auftreten jenseits von Sportswear und Goldkettenkultur, sondern auch zu sozialkritischen Themen.

Text: Christine Heise

Raphael Saadiq, Festsaal Kreuzberg, Mo 12.10., Einlass: 20 Uhr, VVK: 22 Euro

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