Konzerte & Party

Ray Cokes über sein „Guesthouse“ im Postbahnhof

Ray_CokesVor 25 Jahren haben Sie mit MTV das Fernsehen verändert, und selbst nachdem Sie den Sender verlassen haben und seit 16 Jahren kaum noch zu sehen sind, bleiben Sie wegen Ihrer unkonventionellen Interviews und oft wilden Interaktion mit dem Publikum ein Begriff. Wollen Sie die alte Fernsehanarchie nun auf der Club-Bühne wieder heraufbeschwören?   
Ja, die Idee des „Guesthouse“ ist, dass ich wirklich genau das mache, was ich machen will. Ich bin nach wie vor ein großer Music-Lover, ich gehe in Plattenläden, gehe zu Shows und surfe im Netz nach neuen Bands. Mir ist klar, dass ich nicht mehr der Ray Cokes von MTV superwichtig bin, sondern eher der Ray used to be someone, und natürlich fragen manchmal die Plattenfirmen nach, ob meine Show wieder ein Riesen-TV-Format wäre, bevor sie die Bands hergeben, und das ist ja nicht so. Da freut es mich, dass viele Bands selber zu mir kommen wollen, weil sie es lustig finden.

„Ray’s Guesthouse“ ist eine aufwendige Produktion für eine Liveshow, die Bühne ist einer Hotelbar nachempfunden – ist doch noch ein Comeback ins Fernsehen geplant?  
Ich würde mich sehr freuen, wenn es ein solches Angebot gäbe. Heute gibt es ja Musik im Fernsehen nur noch als Talent-Show-Formate, und das wäre eine Revolution rückwärts. Es müsste eben ein englischsprachiges Format werden. Ich habe in meiner Karriere wirklich einige falsche Entscheidungen getroffen. Die schlechteste war wahrscheinlich, dass ich nicht Deutsch gelernt habe, als ich MTV verlassen habe. Stefan Raabs Show war nie besser als meine. Ich hätte gut hier in die Medienlandschaft gepasst, jedermann war nett zu mir, aber ohne Deutsch zu sprechen geht hier nichts. Es ist ja nicht so, dass ich’s nicht versucht hätte. Ich bin in eine Sprachschule gegangen, da war ich mit Abstand die älteste Person im ganzen Gebäude, und alle haben mich für den Lehrer gehalten. Es ging nicht.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Musikfernsehens? Ist YouTube das neue MTV?
Nein, YouTube ist „Sieh, was du willst, wann immer du willst“. Aber MTV war früher weit mehr: Es war ein Lifestyle, als Zuschauer warst du Teil einer Community.

Steve Blame, der andere große MTV-Moderator, erzählte mir mal, dass Sie Berlin eigentlich hassen …
Nein, das stimmt nicht. Ich liebe Berlin, ich habe ja hier vor Kurzem sogar mal im Prenzlauer Berg Jahre gelebt. Das Gerücht stammt aus MTV-Zeiten, als wir mal nach dem Mauerfall hier waren und uns ein paar Journalisten durch die Technoclubs geschleift hatten. Ich hatte vorher wohl einen Joint geraucht und bekam dort Beklemmungen. Techno und Drum’n’Bass sind nicht meine Sache. Jedenfalls muss ich wohl „I’m sick. Get me out of here“ geschrien haben, und die Journalisten haben das wohl falsch verstanden. Ich liebe Berlin!

Interview: Rock Davis

Ray’s Guesthouse mit Nina Hagen, Plan B, Me and My Drummer, Two Trick Pony u.a., Postbahnhof, Do 24.5., 20 Uhr, VVK: 24 Euro

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