Konzerte & Party

Razorlight im Frannz Club

Es gibt immer wieder mal Bands, die den britischen Popfan rasend machen. So muss man zum Beispiel den Namen Razorlight bloß erwähnen, und schon wird man Zeuge, wie sich friedliche Inselbürger in echte Streithammel verwandeln. Grund ist nicht so sehr die Musik, sondern der Sänger.

Johnny Borrell mag es, wenn er im Mittelpunkt steht, sei es auch nur als Gegenstand einer Diskussion. Er ist ein Bilderbuchgroßmaul, hält sich selbst für den Größten seit der Erfindung der Gitarre und die meisten anderen Bands für ziemlich schlecht. Es ist nicht das Einzige, was man dieser Reizfigur übelnimmt. Indie-Apostel klagen, dass sich Borrell von den rauen Ursprüngen im Libertines-Umfeld und dem Neo-Punk des Debüts „Up All Night“ jedes Mal ein Stück mehr entfernt und offen mit dem Mainstream flirtet.

Derzeit kochen die Emotionen wieder besonders hoch, das dritte Album „Slipway Fires“ ist draußen. Es hat Schwachstellen wie die an Richard Ashcrofts ödes Solozeug erinnernden Pianoballaden. Biblische Anspielungen in den Texten gehen mal wieder deutlich in Richtung Über-Ich („For telling my story I have been crucified“). Aber man hört auch, dass sich Borrell zum Songschreiben für längere Zeit auf die schottischen Hebriden zurückgezogen hat.

Die Songs wirken durchdacht, und im Gesang steckt Seele. Anstelle von weinerlichen Erfahrungsberichten über „America“ hört man nun bissige Kommentare über den „North London Trash“. Borrell hat also auch durchaus Substanzielles zu erzählen.


Text: Thomas Weiland

Razorlight

Frannz Club, Mo 8.12., 20 Uhr
(ausverkauft)

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