Konzerte & Party

Rebekka Karijord im Privatclub

Rebekka Karijord

Wenn Rebekka Karijord ihren Auftritt vorbereitet, darf ihr Spezialgewand nicht fehlen: eine handgefertigte Bühnenrobe mit überlangen Ärmeln, bestickt mit schillernden Käferflügeln. Das Unikat ist Teil eines durchdachten Kunstkosmos, den die Norwegerin auf ihrem zweiten Album „We Become Ourselves“ eröffnet. Einmalig ist zudem die Orgel – Schlüsselinstrument des intensiven Albums –, aus der auf dem Coverbild skurril belebte Röhren und Äste wachsen. Tasten kommen in vielen Varianten zum Einsatz: von gravitätisch bis verträumt, ob Kirchenorgel, Drehorgel, Wurlitzer oder Hammond. Letztere verleiht etwa dem treibenden Pop-Drama „Use My Body While It’s Still Young“ eine albträumerische Note und etwas von der Extravaganz einer Kate Bush. „Das Hauptinstrument meines vorigen Albums war das Klavier“, erzählt Karijord, „aber von dem Bild der Frau am Piano wollte ich weg. Ich kam auf meine Kindheit zurück: Mein Stiefvater war Pfarrer; ich konnte daher so oft Orgel spielen, wie ich wollte.“ Daher kommt ihre Zuneigung zu dem alten Instrument. „Jeder Künstler hat bestimmte Themen, auf die er zurückkommt“, fügt die 36-Jährige an. „Bei mir war es so, dass ich mit starken Frauen aufgewachsen bin, aber ohne Vaterfigur, weil mein Vater früh nicht mehr Teil der Familie war. Die unvollständige Familie ist sicher mein schwacher Punkt.“ So ist das Album auch eine sehr persönliche, berührende Reflexion von Männer- und Frauenbildern geworden, die sich auch in den Feinheiten der Arrangements niederschlägt.

Text: Ulrike Rechel

Rebekka Karijord, Privatclub, Do 23.5., 21 Uhr, VVK: 12 Euro zzgl. Gebühr

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