Konzerte & Party

Recoil im Postbahnhof

Recoiltip Alan Wilder, Sie kennen sich aus Depeche Mode-Zeiten mit Live-Auftritten doch bestens aus. Trotzdem hat es erst in diesem Jahr die ersten Konzerte von Recoil gegeben. Warum?
Alan Wilder Ich habe mir lange den Kopf darüber zerbrochen, wie man dieses Projekt auf die Bühne bringen kann. Da dieses Jahr eine Compilation mit wichtigen Recoil-Songs erscheinen sollte, bot es sich an, endlich zu einer Lösung zu kommen. Ich habe mich dann für eine Mischung aus Kunstinstallation und Rock‘n‘Roll-Performance entschieden.

tip Trotz Live-Abstinenz sind nicht viele Alben von Recoil erschienen. Ist es doch nicht so einfach, alles alleine zu machen?
Alan Wilder Als Musiker bin ich ständig beschäftigt. Ich will es unbedingt perfekt machen, und da fangen die Schwierigkeiten an. Typische Erwachsenenprobleme verlangsamen den Prozess zusätzlich. Meine Ehe ist zerbrochen, es läuft gerade die Scheidung. Ich muss mich darum kümmern, wie man es den Kindern beibringt. Auch das braucht Zeit.

tip Sie sind in diesem Jahr zum ersten Mal seit 15 Jahren in London mit Depeche Mode aufgetreten. Wie war das?
Alan Wilder Überwältigend. Es war unglaublich, den Zuspruch und diese Wärme vom Publikum zu spüren. Dave Gahan hatte mich gefragt, ob ich Lust auf einen Gastauftritt in der Royal Albert Hall hätte. Es handele sich um ein Benefizkonzert für eine Einrichtung, die sich um Krebsvorsorge kümmert. Na klar wollte ich dabei sein! Und bevor Sie fragen: Mehr ist nicht geplant.

tip Dieses Jahr haben Sie bereits einen Probeauftritt im Meistersaal der Berliner Hansa-Studios absolviert – dort also, wo für Sie vieles anfing. Wie haben Sie Berlin in den Achtzigern empfunden?
Alan Wilder Wir haben bis etwa ein Uhr morgens gearbeitet, danach gingen wir in ein Cafй, aßen ein Schafskäse-Sandwich oder tranken ein paar Bier. Um drei Uhr ging es in die Clubs: Dschungel, Linientreu, Risiko. Um sechs Uhr waren wir meistens wieder im Hotel. Berlin war ein schräger, düsterer und trotzdem auch entspannter Ort. Ideal für eine Band, die den Umgang mit damals neuen elektronischen Ins­trumenten erlernen wollte.

Interview: Thomas Weiland

Recoil, Postbahnhof, Fr 26.11., 20 Uhr, VVK: 28 Euro

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