Konzerte & Party

Regina Spektor im Huxleys

Regina Spektortip Die Arbeit an Ihrem letzten Album „Begin To Hope“ haben Sie mal als eine Art persönlichen Crashkurs in Pophistorie beschrie­ben. Welche Lektionen haben Sie diesmal gepaukt?
Regina Spektor Das lässt sich so genau gar nicht abgrenzen. Ich schreibe Songs nie mit dem Ziel, ein Album daraus zu machen. Sondern ich schreibe im Grunde ständig; so lange, bis mir auffällt, dass es mal wieder an der Zeit wäre, eine Platte zu veröffentlichen. Ich habe dann immer viel zu viele Songs.

tip Sie brauchen dann nur aus einem Berg Entwürfe auszuwählen?
Spektor Schön wär’s. Leider schreibe ich nie etwas auf. Obwohl es sicher klüger wäre. So kommt es, dass ich auch nie ein Konzept habe für ein Album. Auch für das neue nicht. Immerhin hat sich jetzt ein Freund von mir ein Herz gefasst und mir gezeigt, wie ich mit dem Programm „Garageband“ auf meinem Computer arbeiten kann. Ich singe also mittlerweile auf meinen Computer drauf, ein kleiner Fortschritt …

tip Ihr voriges Album „Begin To Hope“ war sowohl kommerziell wie bei den Kritikern ein großer Erfolg. Halten Sie absichtlich einen Sicherheitsabstand vor lupen­reinem Pop?
Spektor Ich brauche mir da ohnehin keine Gedanken zu machen, glaube ich; denn ich habe anscheinend ein sonderbares Popverständnis. Mir passiert es regelmäßig, dass ich anderen etwas vorspiele, das ich für den perfekten Popsong halte. Aber außer mir hört das dann oft keiner. Mittlerweile achte ich nur noch darauf, was sich für mich stimmig anhört.

tip Fürs neue Album haben Sie gleich vier Produzenten eingebunden, darunter Jeff Lynne von ELO und HipHop-Fachmann Mike Elizondo. Warum so viele?
Spektor Das hängt mit meinem Bedürfnis zusammen, Neues zu lernen. Bei „Begin To Hope“ habe ich gemerkt, wie viel mir die Zusam­men­arbeit mit David Kahne gebracht hat. Meine Idee war also, diese Erfahrung zu multiplizeren. Für mich hatte das ein bisschen was davon, an die Uni zu gehen. Warum nur einen Prof haben, wenn man auch vier haben kann?

tip Worauf haben Sie bei den neuen Songs den Schwerpunkt gelegt?
Spektor Ich habe mich besonders auf Klänge als solche konzentriert. Also nicht, was ein Instrument spielt, sondern wie es klingt. Es ging mir weniger um Arrangements, sondern um die Grundatmosphäre eines Songs. Wenn man es mit einem Theaterstück vergleichen will, dreht es sich jetzt weniger um die Kostüme als um die Grundstimmung, das prägende Gefühl einer Szene.

tip Ursprünglich wollten Sie ja mal klassische Pianistin werden. Ihre Grundlagen haben Sie am Klavier in der Synagoge gelernt. Hofft Ihre Familie denn noch da­rauf, dass Sie die Kurve zum Klassikfach kriegen?
Spektor Eher im Gegenteil, meine Eltern sind meine größten Fans; sie haben fast keinen meiner Auftritte in New York verpasst. Manchmal muss ich sie regelrecht ausladen, einfach weil ich sie nicht immer dabeihaben will. Wissen Sie, es kann schon etwas irritierend sein, wenn man auf der Bühne steht, ins Publi­kum blickt und dann immer an diesen beiden Augenpaaren hängen bleibt, die dich mit all dieser Liebe und dem Stolz anstrahlen.

tip Sind Sie noch heute aktiv in der jüdischen Gemeinde in der Bronx?
Spektor Schon, aber ich habe da einen ganz individuellen Zugang. Das, was für mich an Glaubens­inhalten nicht nachvollziehbar ist, lasse ich aus. Ich picke mir stattdessen raus, womit ich einverstanden bin: Die Feiertage etwa, wie Pessach oder Rosch ha-Schana (jüdisches Neujahr, Anm. d. Red.), gehören dazu. Pessach feiern wir zum Beispiel traditionell bei meiner Klavierlehrerin zu Hause, um die Ecke in der Bronx.

Interview: Ulrike Rechel

Regina Spektor im Huxleys
14.12., 20 Uhr

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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