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Oper

Regisseurin Andrea Breth über Cherubinis „Médée“ an der Staatsoper

„Ich will mich ­jedes Mal ­erschießen“ – Regisseurin Andrea Breth über Cherubinis „Médée“ an der Staatsoper – und die Angst vor der eigenen Arbeit

Foto: Bernd Uhlig

tip Frau Breth, Cherubinis „Médée“ ist kein sehr bekanntes Werk. Macht nichts?
Andrea Breth Es war ein Vorschlag von Herrn Barenboim. Ich fand die Sache sehr ­interessant, vor allem musikalisch. Die Musik der französischen Originalfassung, die wir spielen, klingt parfümiert, was zum Inhalt des Werkes kaum zu passen scheint. Die französische Sprache bringt etwas Messerscharfes hinein, wodurch alles eine viel größere Kälte ausstrahlt. Medea ist eine Ausgestoßene. Das Migrantenthema haben wir uns gerade noch verkniffen. Trotzdem wird unsere Medea eine Hautfärbung haben, die sie als Fremdkörper ausweist.

tip Ist die Kindsmörderin eine Megäre?
Andrea Breth Der Begriff ist zu klein. Medea ist eine zutiefst verletzte Frau, der alles genommen wurde. Sie tötet ihre Kinder, weil sie in ihrem Zorn nur so Jason treffen kann. Der Mord vernichtet eigentlich auch sie selbst.

tip Irgendwie denkt man: Ein Thema für Sie! Hat man eine falsche Vorstellung?
Andrea Breth Welche Vorstellung hat man denn? Bei jeder Arbeit denke ich irgendwann, dass ich mich erschieße. Ich habe bei etlichen Angeboten den Intendanten geantwortet: „Ihr habt sie doch nicht mehr alle!“ Wenn ich dann trotzdem annehme, kriege ich Angstschübe. Aber das ist immer so. Es muss so sein.

tip Wie kommen Sie dagegen an?
Andrea Breth Man arbeitet das weg. Ich muss lange spazieren gehen und über die Sache nachdenken. Ich bin nicht angenehm für meine Umwelt, wenn ich arbeite. Schließlich höre ich dann oft: ­„Warum fummelt die so lange an einer einzelnen Handbewegung rum?“ Ich weiß wohl, dass der Zuschauer das gar nicht wahrnehmen wird. Aber es sorgt für den Geist einer Sache. Für die Wahrheit.

tip Ihre Protagonistin Sonya Yoncheva besitzt einen der größten Soprane der Gegenwart. Wie färbt eine solche Stimme auf Ihre ­Inszenierung ab?
Andrea Breth Nur insofern als Frau Yoncheva eine wunderbare Stimme hat. Sie ist nicht die Einzige, es sind alles Ensemble-Stimmen. Ein-Personen-Stücke wären nichts für mich. Selbst wenn ich Monologe inszeniere, erfinde ich am Liebsten eine zweite Person hinzu.

tip Heutzutage wird es immer üblicher, dass Stars erst kurz vor der Premiere anreisen, so dass die Inszenierung mit Ersatzsängern erarbeitet werden muss. Bei Ihnen auch?
Andrea Breth Darauf würde ich mich, ehrlich gesagt, nicht einlassen. Ich bin kein Freund des „Singens im Kostüm“. Es degradiert die Sänger und geht auf Kosten derer, die sich wirklich reinschmeißen.

tip Eine heikle Frage: Sie haben eine Vorliebe für schiefergrau, steingrau und mausgrau. Warum?
Andrea Breth „Manon Lescaut“ in Amsterdam war nicht grau! In „Médée“ wird es betongrau, weil es ein kalter Raum sein muss. Meine Inszenierungen sind, wenn ich ankomme, weitgehend fertig konzipiert. Das muss so sein, denn ich muss alle Leute, die damit zu tun haben, oft neu kennenlernen. Wie sich deren Natur mit den Rollen verbinden, das macht die Sache interessant.

tip Sie machen zwei Inszenierungen pro Jahr. Und den Rest des Jahres?
Andrea Breth Ich brauche drei Monate Vorbereitungszeit. Der Rest ist Lesen. Schwimmen. Menschen treffen. Und reisen. Ich finde Bologna, Sevilla und Palermo wunderschöne Städte. Nach New York dagegen muss ich nicht mehr unbedingt.

Staatsoper Berlin So 7.10., Fr 12.10., Mi 17.10., Sa 20.10., Do 25.10., 19.30 Uhr (außer Premiere So 7.10., 18 Uhr) Karten 12 – 160 €

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