Kommentar

„Repeat“ von Stefan Hochgesand

Auf den U-Bahn-Monitoren, die sich „Berliner Fenster“ nennen, kann man allerlei unnützes Wissen sammeln

Stefan Hochgesand

– etwa dass dieser oder jener Hollywood-B-Promi wahlweise gerade eine Ananas-Diät ausprobiert oder gerne Schokokekse isst oder dass heute genau vor X Jahren Weltraumsonde Y den 22. Mond des Planeten Z erstmals umkreist hat. Als Text-Junkie kann ich den Blick auch bei Nonsens meist nicht abwenden. Kürzlich habe ich im „Berliner Fenster“ zwangsweise gelesen, dass es verschiedene Tools gibt, um ein Youtube-Video auf Endlosschleife zu stellen. Mein erster Gedanke: Warum zur Hölle sollte man ein Video auf Endlosschleife stellen wollen? Zweiter Gedanke: Warum bietet Youtube so eine simple Funktion nicht von sich aus an?
Viele CD- und MP-Player haben diese ominöse Taste ja – mit der man seinen Lieblingssong der Woche so oft hintereinander runternudelt, bis man ihn fast so sehr hasst wie das morgendliche Schrillen des Weckers. Wir wissen inzwischen (kein Scherz), dass die US-Amerikaner in Guantanamo nicht nur mit Waterboarding folterten, sondern auch mit Songs in Endlosschleife. Das macht den Kopf kaputt. Aber ­natürlich gibt es diese Songs, die man eine Weile kreisen lassen möchte, wie Raumsonde Y um den Mond des Planeten Z kreist. „These things inside me, they ­repeat like broken records“, sang Ryan Adams, als er noch traurig und ein Wahnsinnssongwriter war. Am Ende ist der analoge Ur-Opa der Youtube-Endlosschleife eben bloß: schadhaftes Vinyl.

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