Konzerte & Party

„Return To The Center“ im Roten Salon

Die GoldmundsFrüher war das alles anders. Da gab es einen lauten Dancefloor und einen kuscheligen Chillfloor, und fertig war die Technoparty. Irgendwann aber musste es immer weiter und länger gehen, und selbst die Sofas auf dem Chillfloor wurden zur Seite geschoben, um mehr Platz zum Tanzen zu schaffen.
„Es muss so um 2007 rum gewesen sein, als auf den Ber­li­ner Partys der 3. Floor entstand“, erinnert sich Falko Teichmann, Veranstalter und Teil des The Goldmunds-DJ-Teams. Er meint damit, dass sich auf Technopartys plötzlich noch eine andere Musik etabliert hat. Entschleunigte Tanzmusik. „Das ist Musik, zu der man tanzen kann, wenn man eigentlich schon gar nicht mehr tanzen kann“, erklärt sein DJ-Partner Holger Lehmann, und Falko Teichmann fügt hinzu: „Musik, zu der man nicht wie auf einer Perlenkette aufgefädelt tanzt.“ Diese Musik wurde meist zur Afterhour gespielt, wenn die einen sich zwar noch wa­cker zum Technobeat aufrecht halten, die anderen aber schon zum gemütlicheren Teil übergehen wollen. „Diese After-After-Afterhour-Musik ist mit den Jahren so weit nach hinten gerutscht, dass wir sie jetzt wieder nach vorne holen wollen“, sagt Teichmann. Ihre neue Partyreihe im frisch renovierten Roten Salon verzichtet auf den vorherigen Exzess und steigt direkt mit der „Psychedelic Disco“ ein. „Eher Studio 54 als Berghain“ – so soll es sein. Bei der Benennung des Musikstils tun sich die beiden zwar schwer in der Festlegung, aber nicht im Finden von Begriffen. Cosmic Disco, Slo-Mo- oder Spectral-Rave soll eine Musikrichtung beschreiben, die sich in letzter Zeit in ganz Europa verbreitet hat.
Bei den Download-Plattformen im Internet heißt sie oft auch Indie-Dance. „Eleganter und üppiger Sound mit großen Gesten“, beschreibt Teichmann die Musik. Aus Skandinavien kommen bekannte Produzenten des Genres, wie Prins Thomas, Lindstrom oder Mungolian Jetset. Neue, tanzbare Edits von Popklassikern sind etwa ein Merkmal. Es geht hier also nicht um ein Disco-Revival oder ein Retro-Phänomen. Aktuelle Produktionen findet man mehr und mehr in Berliner Plattenläden, wie zum Beispiel dem Oye Record Store in der Oderberger Straße, erzählen die beiden DJs und verlieren sich gleich wieder im Gespräch über feine und kleine Unterschiede des Stils.
Der Rote SalonDie Pioniere auf Berliner Partys waren das DJ-Team Des Wahnsinns Fette Beute. Sie pit­chten irgendwann die Geschwindigkeit ihrer CDs auf 95 bis 120 bpm runter, ließen Gesang jenseits von House-Vocals zu und haben damit oft die letzten Stunden von Partys beschallt. So tanzte man auf Technopartys plötzlich auch zu Musik, die vollkommen gegenläufig zum Trend des Minimal Technos war und sogar Songstrukturen hatte. Andere DJ-Teams, wie die Goldmunds oder The Sorry Enter­tainers kamen zusammen und erweiterten den Stil. „Dass es öfter DJ-Teams gibt als einzelne DJs, liegt vor allem an der Länge der Sets, die auch schon mal zehn Stunden dauern können“, sagt Teichmann. Bei der Partyreihe im Roten Salon werden die einzelnen Sets allerdings deutlich kürzer sein. Neben ihnen selbst werden auch einmal im Monat Gast-DJs auflegen. Zur ersten Veranstaltung kommen die Berliner Kollegen The Sorry Entertainers und der englische DJ Antoni Maiovvi. Letzteren beschreiben die Veranstalter eher als Traditiona­listen, von dem vor allem Italo- Disco und Cosmic zu hören sein werden. Der Rote Salon ist bereit. Der Tanzboden frisch abgezogen, der DJ hat einen neuen Platz gekriegt, und der Lenin ist bei der Renovierung ganz abgenommen worden.

Text: Laura Ewert

Foto „Die Goldmunds“: Beatrice Jugert

Foto „Roter Salon“: A. Nenninger

Return to the Center, Vol. I (Psychedelic Disco meets Spectral-Rave), Roter Salon, Fr 22.1., Eintritt: 7 Euro

Mehr über Cookies erfahren