Konzerte & Party

Reverend & The Makers im Lido

Reverend_and_the_makersJon McClure versteht es bis heute nicht, warum sein alter Freund Alex Turner nach New York City gezogen ist. Wo die Arctic Monkeys doch Sheffield grandios zurück auf die musi­kalische Landkarte brachten. McClure selbst, dem sein redseliges Sendungsbewusstsein den Spitznamen „The Reverend“ – der Prediger – einbrachte, wird der ruinösen Stahlkapitale die Treue halten. Nötigenfalls bis zum bitteren Ende, „when the sea level should rise and Sheffield is on the coastline“, wie er auf seinem aktuellen Album mit The Makers klimakatastrophal ausmalt. Bevor die Heimat aber von Meereswogen umspült wird, spinnen Reverend & The Makers weiter am musikalischen Erbe ihrer Stadt, die Bands wie Cabaret Voltaire, Pulp und The Human League sowie Slampoet John Cooper Clarke hervorbrachte: alles wich­tige Einflüsse für McClure. Die lokalen Referenzen versetzt die Band auf ihrem Album „A French Kiss in the Chaos“ mit wummernden Dance-Grooves а la „Madchester“-Bands wie Primal Scream. Das klingt sehr partyselig und eingängig; es muss wohl mit dem Hochgefühl des Bandleaders während der Studioarbeit zusammenhängen, an deren Ende er Bandkollegin Laura Manuel heiratete. Ein Hauch wilder Romantik steckt auch in den naiven politischen Songzeilen, in denen der Reverend die Machtkonzentration der Medienkonzerne geißelt, die britische Irakpolitik oder aber mangelndes Umweltbewusstsein. Aufklärerisch wie McClure ist, kriegt selbst Ex-Mitbewohner Alex Turner einen Rüffel wegen seines lauen politischen Bisses. Der solle sich mal mit „Wichtigem“ befassen, statt „über Mädchen an Bushaltestellen“ zu singen. Vielleicht ist der flammende Lokalpatriot aber auch nur gekränkt darüber, dass die Arctic Monkeys Sheffield schnöde den Rücken kehrten.

Text: Ulrike Rechel

(Fanveranstaltung)

Reverend & The Makers

im Lido, Mi 24.2., 21 Uhr, VVK: 17,50 Ђ

Tickets: www.tip-berlin.de/tickets

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