Konzerte & Party

Rhonda: Raw Love

Rhonda: Raw LoveDass Punk und Soul zwei aus einem Guss sind, dies ist das Credo von Rhonda. Entweder du fühlst es oder nicht. Während man in England Soul als Erfolgsrezept aus dem Handgelenk zu schütteln scheint – mit John Newman, Alex Clare und Sam Smith ist das zeitgenössische, postmoderne Feld bestellt – wird hier noch wahre Überzeugungsarbeit geleistet. Zumal die Klasse der rauen, feurigen, sägenden Stimmen der Adele- und Amy-Winehouse-Liga verwaist ist und neuerdings auch gerne belächelt wird, denn: Retro? War das nicht gestern? Die deutschen Nordlichter Rhonda packen jedenfalls unumwunden alles in ihre Songs, womit sie aufgewachsen sind: schmutzigen Rock’n’Roll der Detroit-Cobras-Schule, poppigen Ska а la Madness und The Clash, zuckerummantelte Harmonien, wie man sie von Motown und den Girl Groups kennt, Gitarrensounds, wie man sie an „Shaft“ liebte. Nicht zuletzt liegt aber vor allem in der Stimme von Milo Milone eine Direktheit, die sowohl in ihrer Rotzigkeit als auch in den stilsicheren, vibratoreichen Croons einen besonderen Zauber hat. Hier könnte eine neue Duffy zu entdecken sein, die mehr als eine hübsche Stimme hat und für einen längeren, ruhmreichen Weg zu haben ist. Zumal in einigen Songs auch sanft, aber deutlich auf das Rebellische verwiesen wird. „My Thing“ und „I Need No Help“ machen klar: Ich bin jung und selbstbestimmt. Die Band lässt es in ihren Sepia-Anzügen ganz schön krachen, allein die Orgel macht Masse und lässt vergessen, dass sie fast ohne Bläser auskommen. Und eh man sichs versieht, sind die Songs zu Ohrwürmern geworden, „Camera“ hier, „Sound of Soda“ da, alles tanzbar und mit jenem melancholischen Teenager-Heartbreak-Schmelz, der die Songs persönlich werden lässt. Das alles soll es nicht aus Deutschland geben? Aber, ja doch!

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Rhonda, Raw Love (PIAS)

Mehr über Cookies erfahren