Konzerte & Party

Rob Longstaff im Hüttenpalast

Rob Longstaff

Ein umweltbewusster, konsumkritischer Typ mit Dreitagebart und Secondhand-Style. Ein Hippie. Ganz klar. Solchen Vorurteilen begegnet Rob Longstaff zuhauf. Stören tut ihn das nicht weiter, auch wenn er sich selbst nicht als Hippie bezeichnen würde. „Die sind doch eher faul, oder? Viel auf die Reihe kriegen, tun die ja nicht.“ Bequemlichkeit oder mangelnden Tatendrang kann man Longstaff auf jeden Fall nicht vorwerfen. Seit der Soul-, Jazz- und Blues-Musiker mit der warmen Stimme und dem rhythmisch ausgefeilten Gitarrenspiel vor fünf Jahren nach Berlin kam, gibt er fast täglich kostenlose Konzerte in kleinen Bars, auf öffentlichen Plätzen und Märkten. Mittlerweile ist sein Bekanntheits­status so groß, dass die anderen Straßenmusiker ihn manchmal am liebsten verscheuchen würden. Auf dem Boxhagener Platz sei er deshalb nicht mehr sonderlich willkommen. „Ich drehe gern mal die Lautstärkeregler meines Verstärkers voll auf. Das ist etwas arrogant, ich weiß, aber so ziehe ich eben mehr Leute an.“ Die Straße liest der Singer-Songwriter inzwischen wie ein Buch: „Ich weiß genau, welche Plätze sich lohnen. Außerdem werde ich immer schneller darin, mein Zeugs zusammenzupacken, für den Fall, dass ich verschwinden muss.“ Auch wenn sich in Berlin mit Straßen­musik leichter Geld verdienen lasse als in Australien, seien auch hier viele der Meinung, was nicht im Radio läuft, könne auch nicht gut sein, erzählt Longstaff. Weil ihn die Bespaßung mehr oder weniger inte­ressierter Passanten manchmal ganz schön ermüdet, sucht er inzwischen auch nach anderen Auftrittsmöglichkeiten. „Im Winter bin ich immer recht arm. Da kam mir die Idee, dass ich Wohnzimmer-Konzerte geben könnte.“ Als Gage verlangt er je nach Tag zwischen 100 und 120 Euro. Ende Mai findet außerdem das erste, eigens von Longstaff organisierte Konzert in der Hobrechtstraße 65 in Neukölln statt. Passend zu seiner grünen Lebensphilosophie soll es ein umweltfreundliches Event ohne große Ressourcenverschwendung werden: „Ich habe Wein und Bier aus der Region besorgt und das Equipment, das von der Firma Solarc gesponsort wird, wird komplett mit Solarenergie betrieben.“ Neu ist auch Longstaffs Idee des Food for Entry: Wer keine 10 Euro Eintritt zahlen will, kann stattdessen Lebensmittel im selben Wert mitbringen. Einzige Bedingung: Sie müssen lange haltbar sein, denn einen Kühlschrank besitzt Longstaff nicht. Trotz seines ökologischen Engagements sieht sich der Australier aber in erster Linie als Musiker und nicht als Aktivist. Seine Songs handeln auch nicht von Umweltpolitik oder gesellschaftlichen Problemen, sondern von den üblichen Themen wie Liebe, Sex und Eifersucht. Momentan arbeitet Longstaff an einem neuen Album, das im Sommer auf dem Berliner Label Blackbird Music erscheinen soll. Vollauf zufrieden ist er mit der Plattenfirma jedoch nicht: „Die wollten mich zu ‚The Voice of Germany‘ schicken. Da ist mir klar geworden, dass sie mich null verstanden haben.“

Text: Henrike Möller

Rob Longstaff, Hüttenpalast, Hobrechtstraße 65, Neukölln, Do 23.5., 20 Uhr, AK: 10 Euro oder Food for Entry

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