Konzerte & Party

Robert Forster im Haus der Kulturen der Welt

Robert Forster

Als sich die Go-Betweens 1990 auflösten, in den 28 Jahren ihrer Existenz unermüdlich mit dem Titel „Australiens Antwort auf die Beatles“ geärgert, saß die düstere Hälfte des zentralen Songwriter-Duos McLennan/Forster mit allerlei Songskizzen da und fragte sich: Was nun?! Prompt nannte Robert Forster sein Solo-Debüt „Danger In The Past“, denn die Vergangenheit als Maßstab könnte ihm das Genick brechen. Hier und mit allen folgenden Solowerken, bewies er, dass er nicht nur zu gehaltvollen Songerzählungen fähig ist, Ironie und bittere Schärfe als treibende Wortgewalt, sondern dass auch das Erschaffen positiver Melodien zu seinen Talenten zählt. So wurde er zum Trostpflaster für trauernde Go-Betweens-Fans. Bis zum Album „Warm Nights“, mit dem dylanesquen, selbst- wie bandreflektierenden Song „Rock’n’Roll Friend“, schien die Welt in Ordnung. Mit der Jahrtausendwende kam es zur Reunion, man staunte über die ungebrochene Qualität dreier in Folge erscheinenden Alben, bis 2006 der plötzliche Tod von Grant McLennan das Kapitel Go-Betweens für immer schloss. Nun stand Robert Forster vor dem Erbe und vor der Planung der eigenen Zukunft. So entstand „The Evangelist“, sein fünftes und bestes Soloalbum, das zu einem Drittel aus Songs besteht, die er noch gemeinsam mit Grant geschrieben hatte. Mittlerweile lebt Robert Forster wieder in Brisbane mit seiner deutschen Frau Karin und den Kindern und hat sich dem Rockjournalismus verschrieben. Seine Artikel hat er 2011 unter dem Titel „The 10 Rules Of Rock And Roll“ als Buch veröffentlicht. Regel Nummer neun: Wirklich große Bands haben keine Mitglieder, die Soloalben machen. Ha! Außerdem lernen wir, dass je mehr Tattoos ein Musiker hat, umso schlechter ist er, und dass sich jeder wirklich gute Musiker hinter seinem Manager versteckt. Robert Forster beherrscht die Kunst Position zu beziehen und keine Pointe ungenutzt zu lassen. Seine Artikel sind akribisch, entlarvend, auch den eigenen Schwächen gegenüber und doch einfühlsam, und sie sind eine Lesefreude für alle, die Musik gerne mal zu ernst nehmen. Vor allen aber ist Forster ein Botschafter der radikalen, geschichtsbewussten Popkultur, ein Vertreter des polymorph ozeanischen Gefühls, das nirgend besser aufgehoben ist als in einem intelligenten, schwärmerischen Popsong. Auf seinen Schultern lastet nun, zumal er ein belesener und stilbewusster Dandy ist, eine große Verantwortung, denn er ist der einzige Vertreter seiner Zunft bei der diesjährigen Wassermusik im HKW mit der Überschrift „Der Neue Pazifik“.

Text: Christine Heise

Foto: Andy Gotts

Robert Forster, Haus der Kulturen der Welt, Sa 3.8., 20.30 Uhr, 15/12 Euro.

Das Wassermusik Festival läuft vom 18.7-11.8.

www.hkw.de

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