Konzerte & Party

Robert Љoko und seine Balkanbeats

Robert SokoBalkanbeats ist Robert Љoko, und Robert Љoko ist Balkanbeats. Dass der Bosnier einmal der Veranstalter und DJ einer erfolgreichen Partyreihe in Berlin sein würde, ein Genre neu definieren und damit weltweit hat, daran könnte er selbst kaum glauben. 1990, als sein Heimatland Jugoslawien kurz vor dem Zerfall stand, kam Љoko nach Berlin. Als Taxifahrer schlug er sich durch und verbrachte viel Zeit in der Bar Arcanoa in Kreuzberg. „Durch den Krieg in Ex-Jugoslawien kam damals eine Welle junger Menschen nach Deutschland“, erzählt Љoko, „so hatte ich plötzlich verwandte Seelen hier in Berlin. Was uns verband, waren die Mentalität und die Musik.“ Aus Spaß fing er an, im Arcanoa Platten aufzulegen. Begonnen hat er mit Punkrock. „Das mutierte dann zu Ethno und dann zu den Klängen aus meiner Heimat. Das war ein Bedürfnis von mir und meinen Landsleuten. Das Publikum hat darauf super reagiert.

Zu Arcanoa-Zeiten rechnete der heute 41-Jährige als Letztes mit kommerziellem Erfolg: „Als der Laden geschlossen wurde, dachte ich, es wäre auch Schluss mit meinen Partys. Dann kam aber der Mudd Club, in dem ich weitermachen konnte, und das Publikum folgte mir dorthin.“ Sieben Jahre blieb die Veranstaltungsreihe im Mudd, bekam ihren ebenso griffigen wie eindeutigen Namen, entwickelte sich zu einem eigenen Genre und zog 2007 ins Lido. Etwa 1?000 Leute kommen nun zu den Partys des DJs und Veranstalters, dessen musikalischer Auftrag sich über die Jahre gewandelt hat. „Lange war ich nur der Musikselektor. Mittlerweile gebe ich auch viel eigenen Senf hinzu, indem ich Sachen reinschneide, remixe und die Tracks auf Clubbedürfnisse adaptiere.“ Das Ergebnis ist in erster Linie bunt, mit vielen Elektroelementen: „Die Musik hat fundamentale Einflüsse aus dem Orient, aus Slawien, aus Asien“, erzählt der Kreuzberger.

„Was ich als Balkanbeats definiere, sind diese Klänge plus westliche Einflüsse. Die Gewürze der Heimat herrschen aber immer vor. So kommt es, dass die Musik diese einmalige Stimmung aus Trauer und Glück hat. Denn das ist die Mentalität: Du hast ein Problem, tanzt aber trotzdem.“ Das klappt auch international: Љoko wird längst weltweit als DJ gebucht, war in Südafrika, den USA, Brasilien, hat vier Compilations veröffentlicht und setzt sein Partykonzept auch in Paris, Prag und Budapest um.
Ähnlich wie die Musik hat sich im Lido dabei übrigens auch sein Publikum gewandelt. Љokos Partygäste sind zu 80 Prozent Berliner. „Der Rest kommt aus ganz Europa“, sagt Љoko. „Sie sind intellektuell, multilingual und sexy. Und sie wollen feiern!“ Dass etwa sieben von zehn seiner Gäste weiblich sind, kommt Љoko nur gelegen: „Das ist natürlich der Traum jedes Veranstalters, denn Frauen bringen eine schöne Atmosphäre mit.“ Für die Überzahl hat der DJ auch eine Erklärung: „Orientalische Musik hat sehr viel Verspieltes. Frauen haben den Drang, ihre Hüften dazu zu bewegen. Männer brauchen da etwas länger.“

Text: Nadine Kleber

Foto: Michael Mann

Balkanbeats Lido, Sa. 12.3., AK: 6 Ђ

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