Konzerte & Party

Rock AG-Gründer Björn Krüger im Gespräch

Bjoern_KruegerWoher kam damals eigentlich deine Motivation, die Rock AG zu gründen?
Berlins Clubszene war 2002 von elektronischen Klängen dominiert. Für Fans von Rockmusik und Gitarrensounds gab es so gut wie keine Angebote zum Tanzen. Das wollte ich ändern. 

Und in welcher Phase hat der Job am meisten Spaß gemacht?
Zu Beginn war es toll zu sehen, wie dankbar das neue Angebot von vielen aufgenommen wurde. Die spannendste Phase war dann sicher der Umzug von der Kulturbrauerei ins Lido im Jahr 2007. In Kreuzberg mussten wir uns ein völlig neues Publikum erarbeiten und die Rock AG neu positionieren. Und dann war da das Paar, welches seinen Hochzeitsabend mit vielen Freunden bei uns feierte, weil es sich bei der Rock AG kennengelernt hatte. Das wird für mich auch unvergessen bleiben.

Was waren für dich als Partymacher die größten Veränderungen der letzten Jahre?
Im Rockbereich ist der Massengeschmack deutlich härter geworden. Es gibt aber auch eine größere Toleranz gegenüber anderen Musikstilen als früher. Die durch das Internet veränderten Musikkonsum-Gewohnheiten dürften ein Hauptgrund dafür sein.

Inwieweit hat sich dabei auch das Publikum verändert?
Es ist deutlich zu spüren, dass Berlin ein Magnet für Touristen geworden ist, die hier gerne feiern. Insbesondere in den Sommermonaten ist die Gegend ums Schlesische Tor eine große Partymeile geworden – mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. In welcher anderen Stadt kann man schon nachts um drei auf dem Bürgersteig Bands spielen sehen und dazu Bier für einen Euro vom Späti trinken?

Das klingt doch vielversprechend. Zudem wird dein Partykonzept von vielen Clubs in der Nachbarschaft kopiert. Ob im Astra, Magnet oder Bi Nuu, alle veranstalten mittlerweile einen Rockabend. Warum brichst nun ausgerechnet du deine Zelte ab?
Nach zehn Jahren muss man sich einfach die Frage stellen, ob man sich persönlich noch mit der Mehrheit der Gäste identifizieren kann und gegebenenfalls die Konsequenzen ziehen. Als Veranstalter nur ans Geschäft zu denken, war nie mein Bestreben, sonst hätte ich sicherlich weitergemacht. Die gewachsene Konkurrenzsituation zeigt vor allem, dass ich mit dem Konzept in den letzten Jahren einigermaßen richtig gelegen hatte.

Denkst du, es ist möglich, in der reichhaltigen Berliner Clubszene überhaupt noch etwas Innovatives zu schaffen?
Auch in Berlin gibt es noch zahlreiche Menschen, für die die aktuelle Clubszene nicht das richtige Angebot bereithält. Die Herausforderung besteht darin, diese Leute tatsächlich zu erreichen.

Was sind denn deine Pläne für die Zeit nach der Rock AG?
Ich werde mir eine mehrmonatige Auszeit gönnen und neue Ideen sammeln. Meine nächsten Projekte werden sicher auf andere Zielgruppen zugeschnitten sein als bisher.

Über welche Songs freust du dich nach all den Jahren immer noch, wenn sie im Club laufen?
Viele – auch großartige – Songs kann ich nach über 500 Veranstaltungen wirklich nicht mehr hören. Aber einige sind einfach unsterblich, zum Beispiel: The Clash – „Train In Vain“, Eels – „Souljacker Part 1“ oder The Sonics – „Have Love Will Travel“.

Und was wird dein eigener Rausschmeißer? Was sollten deine Nachfolger als Abschieds­song für dich auflegen?
Ich gehe ja im Guten und in aller Stille, da es die Rock AG auch nach meinem Ausscheiden weiterhin geben wird. „Don’t Look Back In Anger“ von Oasis passt da ganz gut.

Interview: Christine Stiller

Rock AG Birthday Bash + Emergenza Bands, Live: Kolumbus Kill, Deadly Past, The Jerks, DJs: Anja Caspary, Mig, Soundchaser, Stan, Triple Gym, Vermona !nferno; Lido, Fr 28.9., 20 Uhr, VVK: 7 Ђ / AK: 10 Ђ

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