Konzerte & Party

To Rococo Rot im HAU1

To Rococo Rot

Manchmal läuft eine Bandauflösung ganz unkompliziert ab. Im Fall von To Rococo Rot fiel die Entscheidung im Gebäude eines bekannten englischen Flughafens. „Wir haben das Ende an einem Kaffeetisch in Heathrow beschlossen. Das fiel uns ziemlich leicht. Wir spürten, dass es nicht mehr weitergeht. Bevor wir unsere Freundschaft riskieren, haben wir die Band lieber aufgelöst“, sagt Ronald Lippok und ergänzt, dass jedes Mitglied von To Rococo Rot eine eigene Version zu diesem Thema beizutragen habe. Sein Bruder Robert verweist auf die Rolle des dritten und einzigen im Gespräch nicht beisitzenden Mitglieds Stefan Schneider, der in Düsseldorf lebt. „Man kann das schon ganz offen sagen: Stefan mochte unsere jüngste Platte ‚Instrument‘ nicht. Das hat er leider erst herausgefunden, als sie fertig war. Da konnten wir nichts mehr machen.“ Dem Vernehmen nach empfand Schneider das Album als nicht innovativ genug. So ein Problem gab es in der Vergangenheit nicht. Zwischen den Produktionen hat es lange Pausen gegeben, in denen sich jedes Mitglied eigenen Projekten widmen konnte. Danach kamen die drei Tüftler wieder mit neuen Gedanken für eine weitere Platte von To Rococo Rot zusammen. Oder man entschied sich zu einer örtlichen Veränderung. Das Album „Speculation“ aus dem Jahr 2010 ist zum Teil im Studio der Band Faust im baden-württembergischen Scheer entstanden.
Etwas Neues hat die Band mit „Instrument“ aber durchaus zu bieten. Vorher hatte sie bewusst auf Gesang verzichtet. Eine Stimme, so die übereinstimmende Meinung, beanspruche zu viel Aufmerksamkeit. Dieses Mal haben To Rococo Rot zum ersten Mal eine Ausnahme gemacht und die New Yorker No-Wave-Legende Arto Lindsay bei drei Stücken singen lassen. „Wir wussten nicht, wie es mit ihm funktioniert, aber das liegt in der Natur des Experiments. Es gab die berechtigte Hoffnung, dass seine Stimme etwas mit der Musik macht. Arto glaubt an improvisiertes Arbeiten, am Ende hat es gut geklappt. Er ist als Sänger und Gitarrist einfach eine Besonderheit“, findet Ronald. Er und Robert wirken sehr entspannt, was sie wegen ihrer vielen anderen Betätigungsfelder auch sein können. An Langeweile werden sie künftig sicher nicht leiden. Ihre erste unvergessene Band Ornament & Verbrechen existiert wieder, seitdem sie 2012 auf einer Finissage ein Konzert auf den Trümmern der Ausstellung „Archipel“ von Architekt Arno Brandlhuber gegeben hat. Ronald arbeitet weiter mit Bernd Jestram unter dem Namen Tarwater zusammen. Gerade erst ist das Album „Adrift“ erschienen und ebenso die Musik zum Hörbuch „Kinder Adams/Children Of Adams“, für das kein Geringerer als Iggy Pop Gedichte von Walt Whitman liest. Es ist auf dem Label Raster Noton erschienen und wurde zum Teil von Robert produziert.  
Jetzt geben alle zusammen ein letztes Konzert von To Rococo Rot. Harmonisch werde es ablaufen, da sind die Lippoks ganz zuversichtlich. Mit dabei sind The Pastels aus Glasgow, die seit ihrem Debütalbum „Up For A Bit With The Pastels“ als wegbereitend im Shoegazer- und Noise-Rock gelten. Beide Bands haben musikalisch nicht viel gemeinsam, aber die Musiker kennen sich gut und werden ganz sicher für einen krönenden Abschluss sorgen.

Text: Thomas Weiland

Foto: Jens Oellermann

To Rococo Rot, HAU1, Stresemannstraße 29, Kreuzberg, Mo 29.12., 19 Uhr, VVK 19,80 Euro zzgl. Gebühr

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