Konzerte & Party

Roger Waters „The Wall“ im Olympiastadion

Roger Waters

Als Ende 2012 die weltweit erfolgreichsten Tourneen ausgezählt wurden, schafften es nur zwei britische Namen unter die Top Ten: Coldplay und Roger Waters. Der ehemalige Pink-Floyd-Kopf spielte mit seiner Neuauflage der Bühnenshow zu „The Wall“ rund 140 Millionen Euro ein, lediglich überrundet von Madonna und Springsteen. Waters also wird hochzufrieden sein mit seinem Retro-Trip, bei dem Gitarrist David Gilmour nicht mitmachen wollte. Damals, 1980/81, gab es nur eine Handvoll Termine für das megalomane Prog-Theater. Später, im Juli 1990, zogen Waters und Co. ihren haushohen Wall aus unzähligen Pappkuben noch einmal auf dem damals noch unbebauten Potsdamer Platz hoch. Ein Massenritual, für das sich Fans aus der gesamten Republik auf Pilgerfahrt begaben. Unmöglich, ein solches Logistik-Ungetüm durch die Welt zu karren. 20 Jahre später ist das leichter machbar, wenn auch irrwitzig kostspielig. Zur Show gehören abstürzende Flugzeuge, die in Flammen lodern, Riesenmarionetten, ein Flagge hissendes Statistenheer und die titelgebende Mauer, die zum Finale einstürzen wird. In der Zwischenzeit dient die weiße Wand als Projektionsfeld für Bilder, die sich vor allem um Kriegsthemen drehen. Es ist etwas dran, wenn die Show derzeit als die aufwendigste Rock-Produktion aller Zeiten angepriesen wird. Begleiten lässt sich der Mann, der sich selbst nicht als den „besten Sänger oder Instrumentalisten“ einstuft, von einer tadellosen Band, die allein mit drei Gitarristen antritt, um alle Einsätze David Gilmours wiederzugeben. Dessen Fernbleiben habe mit Animositäten nichts zu tun, versichert der Saitenmann. Er wolle nur nichts wiederholen, was er schon mal geliefert habe. Waters sieht die Sache erwartungsgemäß anders. Der bald 70-Jährige macht sich mit „The Wall“ offenbar selbst ein Abschiedsgeschenk. Einen „Schwanengesang“ trage er in sich, erzählte er zum Auftakt der Tour vielsagend. Was megalomane Rockshows angeht, bleibt dann eine Lücke, die weder Muse noch Coldplay werden ausfüllen können. Bands wie Pink Floyd wachsen nun mal nicht nach.

Text: Ulrike Rechel

Roger Waters – The Wall live, Olympiastadion, Mi 4.9., 20 Uhr, VVK: 70-130 Euro zzgl. Gebühr

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