Konzerte & Party

Rolf Kühn

Wer als Jazzmusiker ein geregeltes Einkommen anstrebt, ist nicht gerade gut beraten, sich auf die Klarinette zu spezialisieren. Während Saxofonisten darauf vertrauen können, in einer Big Band unterzukommen, sind Klarinettis­ten dazu verdammt, als Solis­ten Karriere zu machen. Dies ist Rolf Kühn (Foto 2. v.re.) in seiner über 60-jährigen Musikerlaufbahn zwei­fellos gelungen.

Mit 17 wird er vom Rund­funk­tanzorchester Leipzig en­gagiert, wechselt mit 21 zur RIAS-Bigband, um dann 1956, ermutigt vom US-Kollegen Buddy DeFranco, den Sprung über den großen Teich zu wagen. Dort schafft er es innerhalb kurzer Zeit, sowohl von Billy Taylor (für dessen TV-Show „The Subject is Jazz“) als auch von Benny Goodman engagiert zu wer­den. Doch allen Ehren zum Trotz zehrt der fortwährende Überlebenskampf, und so übernimmt Kühn 1962 die Leitung des NDR-Fernsehorchesters.

1966 brachte die Übersiedlung seines 14 Jahre jüngeren, klavierspielenden Bruders Joachim eine intensive Zusammenarbeit in Gang, die sich im Zeitraum 1971 bis ’80 in zahlreichen Aufnahmen für das Label MPS (zu hören auf der gerade erschienenen Compilation „More, More, More & More“) niederschlug. Dergleichen Experimentierfreude finanzierte sich der Klarinettist als Filmkomponist, Arrangeur (u.a. für seine damalige Gattin Judy Winter) und in den 80ern als musikalischer Leiter am Theater des Westens.

Als Privatier kann der heute 79-Jährige nun aber ohne Rück­sicht auf Brotjobs seinen mannigfaltigen Vorlieben frönen. Und dazu gehört der fortwährende Austausch mit dem Berliner Jazznachwuchs, wie es nun sein aktuelles Werk „Rollercoaster“ – eingespielt u.a. mit den Twens von Hyperactive Kid! – gelungen zum Ausdruck bringt.

Text: Markus von Schwerin

Rolf Kühn Group + DJs Götz Bühler + Climbleather im Rahmen von „Verve Club 2008 Closing Party“

Tausend, Di 16.12., AK: 5Ђ

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