Konzerte & Party

Buchtipp! Ronald R. Klein: Sandow

Sandow

Sandow, die sich nach dem heimatlichen Cottbusser Neubauten-Stadtteil benannten, waren schon in der DDR schwer einzuordnende Vertreter der „anderen Bands“. Während viele mit den Kategorien wie Punk, Ska, New Wave oder Avantgarde gekennzeichnet werden konnten, blieb das Quartett um Kai-Uwe Kohlschmidt in seiner musikalischen Ausrichtung ambivalent. Autor Ronald R. Klein, der sich als Spätgeborener erst in den 90er-Jahren mit der alternativen Punk- und Kulturszene der DDR auseinandersetzte, erlag vielleicht gerade deshalb dem Charme dieses unvorhersehbar agierenden Vierers und schrieb eine lesenswerte Biografie, die die tief greifende soziale und künstlerische Verunsicherung der Wende-Generation anschaulich offenlegt.
Nach einem sehr kompakten Abriss der Bandhistorie schließen sich Einzelinterviews mit den Musikern und Wegbegleitern an, die durchaus auch persönliche Querelen aufzeigen. Die Gespräche mit dem Chef-Ideologen Kohlschmidt nehmen dabei den größten Platz ein und verdeutlichen nur allzu gut, woran diese Band schließlich scheiterte. In dem kreativen Chaos des gesellschaftlichen Umbruchs legte Sandow zu viel Wert auf gekünstelten Nonkonformismus und stand sich damit letztlich selbst im Weg. Statt dem hochmelodischen Indie-Pop der Anfangstage („Schweigen und Parolen“, „Born in the GDR“) zu frönen, pfropfte Kohlschmidt allem einen philosophischen Überbau auf. Es wurden zu viele musikalische Haken geschlagen: Avantgarde-Experimente, Diskurs-Pop, Kunst-Performances, Hörspiel-Fragmente – da kapitulierten selbst hartnäckige Fans.

Text: Dirk Teuber

Foto: Peter Gruchot, 2012, all rights reserved

Ronald R. Klein: Sandow. 30 Jahre zwischen Harmonie und Zerstörung, ?Verlag Andreas Reiffer, 180 S., 16,90 Euro (ohne CD), 23,90 Euro (mit Hörspiel-CD)

Sandow. 30 Jahre zwischen Harmonie und Zerstörung

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