Konzerte & Party

Rumer im Heimathafen Neukölln

Rumer

Easy Listening stand schon immer unter Verdacht. Und wenn über Englands darin erfolgreichste Sängerin nach Sade in Foren gepostet wird: „Wenigstens ist sie nicht Taylor ‚Fucking‘ Swift“, dann muss man hart im Nehmen sein. Was sie nicht ist. Leute können dir aus dem Nichts in den Rücken fallen, singt Sarah Joyce alias Rumer auf „Into Colour“, ihrem dritten Studioalbum, das sie vier Jahre nach dem Debüt „Seasons of My Soul“ mit allerlei Wundenlecken herausbrachte.
Hinter ihr lag eine kleine Tour de Force, die sie, aus dem immer grauen London fliehend, im wärmenden Licht der kalifornischen Sonne auf einem Hippy Cottage im Laurel Canyon und mithilfe ihres baldigen Ehemanns Rob Shirakbari (im Mai wird geheiratet), dem musikalischen Direktor von Burt Bacharach, Dionne Warwick und Daryl Hall, wieder ins Lot brachte.
Der schnelle Erfolg und die eigene psychische Instabilität erwiesen sich als schlechtes Pärchen, aktivierten bipolare Schübe, Lampenfieber und Schreibblockade, ihr zweites Album „Boys Don’t Cry“ wurde ein Coveralbum. Holla, hagelte es da böse Worte, denn die Sängerin mit halbpakistanischen Wurzeln zeigte sich nicht nur als brave, vom Meister hochgeschätzte Bacharach-Elevin, sondern griff auch in die Ikonenkiste der Rocknerds: Townes Van Zandt, Richie Havens und Isaac Hayes gehörten zu den Autoren. Da half auch kein Auftritt im Weißen Haus, au contraire.
Nun aber, mit neuen, selbst geschriebenen Songs, zeigt sie sich gestärkt und selbstbewusst. Sie, die oft mit Dusty Springfield und Karen Carpenter verglichen wird, kennt zwar nicht unbedingt jeden einzelnen ihrer vielköpfigen Band beim Namen, aber ihre Songs bewegen sich kenntnisreich in der Schule des samtweichen Siebzigerjahre-Pop und sind eindringliche Reflexionen ihrer Erfahrungen.

Text: Christine Heise

Rumer, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Do 12.3., 21 Uhr, VVK: 26 Euro zzgl. Gebühr

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