Konzerte & Party

Rustie am Samstag im Horst Krzbrg

Rustie

London ist als maßlos aufgedrehte Metropole berüchtigt. Für kreative Ideen suchen sensible Künstler da oft das Weite. Russell Whyte alias Rustie aber zog vor anderthalb Jahren gerade dorthin, um ungestört arbeiten zu können. In seiner Heimatstadt Glasgow, berühmt für ihr agiles Partyleben, seien die Verlockungen zu groß gewesen. Wo er dem Label Warp doch schon seit ein paar Jahren ein Album schuldete. Dort ahnte man früh, dass der DJ und Producer mit dem Händchen für endorphinpralle Dance-Hymnen das Zeug zum Solokünstler hat. „Glass Swords“ heißt das Ergebnis – und klingt wie eine auf 50 Minuten komprimierte Rave-Nacht. Die Tracks platzen schier auseinander vor dramatischen Zuspitzungen und skurrilen Klang-Einfällen, Ruhemomente erweisen sich meist als trügerisch. Die Nummer „Flash Back“ etwa steigt sphärisch ein, um schnell zum knackigen Stampfer zu mutieren; unterwegs blitzen Sound-Kuriositäten auf: Synthies а la Van Halen, martialische Elektrodrums, Slap-Bässe nach Funkadelic-Manier, barocker Keyboard-Schmuck im Prince-Stil. Hoch beschleunigt und mit Grime, Dub-Step-Tiefen oder französischer House-Ekstase angereichert, lassen sich die einzelnen Partikel kaum mehr auseinanderdröseln. Worauf Rustie aber immer wieder zusteuert, sind die Achtziger, eine Ära, der er „Soul“ attestiert. Seele haucht der Schotte auch den eigenen Klangkreaturen ein, die er sorgfältig durch Kompressoren, Verzerrer und Filter schleust, bis sie fast so individuell klingen wie eine abgerockte Gitarre.

Text: Ulrike Rechel

Rustie + Lone + Silverman + Area Boy, Horst Krzbrg, Sa 29.10., 23 Uhr, AK: 12 Euro

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