Konzerte & Party

Ryan Adams: Ashes & Fires

Ryan Adams: Ashes & FiresBei Ryan Adams ist es stets gut zu wissen, wie es gerade um ihn steht. Seit dem Split von Whiskeytown vor über einer Dekade wurde sein Leben eine Achterbahn, gesteuert freilich von ihm ganz allein. Wurde er als der neue Gram Parsons gefeiert, hörte er selber „radio rock fucking Tom Petty“ heraus, machte trotzig statt hymnischem Countryrock klaustrophobische Balladen und unbedarften Fan-Rock, fühlte sich von Gott und der Welt missverstanden. Mit The Cardinals nahm er ab 2004 seine besten Alben auf und signalisierte Stabilität bei ungebrochenem Tatendrang. Dann diagnostizierte man neben Drogenmissbrauch auch Morbus Meniиre (Schwindel, Tinnitus), er zog sich zurück, schrieb drei Bücher, heiratete.
Mit „Ashes & Fire“ findet sich Ryan Adams erneut ohne Band und von ähnlichem Genius geprägt wie 2000 beim Solo-Debüt „Heartbreaker“. Durchlebte Erschütterungen kondensiert in berührende, poetische Songs, die allesamt vom Understatement leben. Ja, man möchte ihnen Unterproduziertheit vorwerfen. Classic-Rock-Produzent Glyn Johns (Stones, Eagles, Steve Miller etc.) hat sich im Zurücknehmen geübt. Norah Jones liefert Backingvocals, Benmont Tench (Heartbreakers, sic!) sitzt an den Keyboards, Greg Leisz an der Pedal Steel, und doch sind die Songs akustisch und balladesk, vom Schmerz geprägt. „What am I doing here“, singt Adams in „Save Me“, „it’s just too much pain.“ Ein großer, leiser Gospel. „This house is strong, we built it with love“; „Come Home“ ist zärtlich wie nie. Und der letzte Song seines inzwischen 13. Albums, „I Love You But I Don’t Know What To Say“, ist so echt, so meisterlich, von so überirdischer Schönheit, dass es fast wehtut: „When I met you clouds inside me parted.“ Und doch bleibt der Eindruck, dass sein Genie und sein Kultstatus vom Fear of Winning geprägt sind. Wieder bleibt er auch hier die Hoffnung und nicht die Erlösung, und wieder wird genau das ihn testen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Ryan Adams, Ashes & Fire (Pax-Am/Sony)

Mehr über Cookies erfahren