Konzerte & Party

Ryan Bingham im PBHF-Club

Ryan Bingham

Die Frontzähne mögen nicht echt sein. Aber was zu ihrem Verlust führte, ist Teil einer Geschichte, die so wahr wie rar ist. Eigentlich kennt man diese Westernmythen mit Pferdefreundschaften und Long Johns, allein Tarantino und John MacLean („Slow West“) erzählen sie neu. Oder Ryan Bingham, denn der hat sie erlebt. Die kaputte Alkfamilie, das Überleben on the road, das Tagelöhnern im Straßenbau, vor allem das Rückenschinden als Rodeo-Reiter inklusive Verlust der Zähne, eine idyllische Jugend sieht anders aus. Da hilft reimen. Zunächst nur für sich und die Freunde, der mexikanische Nachbar animiert zum Singen. Dann eine Erkenntnis: für den Auftritt im Beer Joint gibt es exakt die gleichen 30 Dollar wie fürs Schuften. So wird der Grundstein für eine Bilderbuchkarriere gelegt.
Erste Alben, Entdeckung für den Film, Bingham schreibt Songs für „Crazy Heart“, die Geschichte vom abgehalfterten Countrystar ist die Geschichte seiner Helden von Townes Van Zandt bis Billy Joe Shaver, und er spielt an der Seite von Jeff Bridges auch gleich mit. Oscar, Grammy, Golden Globe, cool. Er macht seinen Vorbildern alle Ehre: Joe Ely für den Rock’n Roll, Guy Clark für die Poesie, Texas Tornados für den TexMex. Einzigartig ist die fertige Stimme, denn er ist ja gerade mal 34 und erst seit kurzem verheiratet. Ein Dreamteam, das gemeinsam Filme produziert, „A Country Called Home“ erschien im Juni. Und nebenbei die tollen Platten und ausgiebigen Tourneen; nicht einsam in die Abendsonne, sondern im Scheinwerferlicht.

Text: Chrtistine Heise

Foto: Axster Bingham Co.

Ryan Bingham, PBHF Club, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain, Di 13.10., 20 Uhr, VVK: 26 Euro zzgl. Gebühr

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