Konzerte & Party

Sade: „Soldier Of Love“

SadeSie ließ wieder lange auf sich warten. Zehn Jahre waren es dieses Mal. Doch geschadet hat es nicht. Sade hätte ihre Rückkehr noch län­ger herauszögern können, ihr wäre trotzdem unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilgeworden.
Mitte der Achtziger war Helen Folasade Adu kurz Teil einer kurzzeitig florierenden Pop-Jazz-Szene, die sich nicht auf Dauer etablieren konnte. Sade indes konnte es schon, weil sie als Person ein Unikat ist, nicht zuletzt wegen ihrer coolen Ausstrahlung. Sie versteht es aber auch perfekt, sich als Herrin ihrer eigenen Welt zu inszenieren. In den zehn Jahren der Abstinenz hör­te man nichts von ihr, keine Nachrichten, keine Fotos. Jetzt, mit 51, ist sie wieder da, sieht sie wie immer blendend aus und wird erneut von den Musikern begleitet, die ihr seit „Diamond Life“ die Treue halten. Sogar ihre Tochter und der Sohn des Gitarristen gehören jetzt zum inneren Zirkel und singen mit.
Der Sound auf „Soldier Of Love“ (Epic/Sony Music) wirkt sofort vertraut. Neuerungen entdeckt man nur im Detail. Das abgehackte metallische Riff im Titelsong mitsamt martialischer Sprache natürlich. Oder die gemütliche Slide-Gitarre in „Be That Easy“, derentwegen man sofort an Mazzy Star denken muss. Der luftige Reggae-Vibe in „Babyfather“ fällt auch aus dem Rahmen. Am Ende ist es nur frisches Make-up. Stets gilt: It’s the singer, not the song. Sinnlich und gedankenverloren haucht Sade ihre Zeilen, in denen es fast ausschließlich um die Ha­varie des Herzens geht. Die zurückhaltende Art des Vortrags steht im Gegensatz zu manch drastischer Formu­lie­rung („Send me to slaughter, lay me on the railway line“).
Es soll tatsächlich Leute geben, die das alles als langweiligen Dinner-Party-Sound für Weinliebhaber abtun. Kritiker werden Sade zudem eine für Künstlerverhältnisse ungewöhnliche Bewegungsunfähigkeit vorwerfen. Wenn man dieser Frau indes schon mal erlegen war, wird man es auch dieses Mal wieder sein. Sie ist wie eine Festung am Rande ausgetretener Pfade, die man seit Ewigkeiten mal wieder betritt und deren eigener Reiz unvermindert gefangen nimmt.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

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