Konzerte & Party

Saint Lu im Privatclub

SaintLuSie hat zweifelsohne etwas Anachronistisches. Saint Lu’s Reibeisenstimme und ihr „Soul ’n’ Roll“, wie sie ihren Stil selbst nennt, wollen nicht so recht ins Hier und Jetzt passen. Vor allem das Debüt der 28-jährigen Österreicherin, 2009 erschienen, klingt so authentisch nach den 60er-Jahren, dass man das Gefühl hat, Janis Joplin sei wiederauferstanden. Doch genau dieses Rohe, Erdige, Handgemachte, das eben nicht auf Teufel komm raus auf neu getrimmt wurde, bescherte Saint Lu durchweg positive Kritiken. Im Februar 2013 veröffentlichte Saint Lu ihr zweites Album „2“. Bereits der Blick aufs Cover verrät, dass Warner Music die hübsche Sängerin nun mehr in Richtung Kommerz drängen möchte. Während Saint Lu sich optisch auf dem Cover ihres Debüts noch als rotzige Rockerin gab, trägt sie nun ein weit ausgeschnittenes Top und blickt verführerisch zur Seite.

Auch die elf neuen Songs sind weit weniger rockig, bluesig und krachig als früher. Soul ist nun das tragende Element in Saint Lu’s Sound, plus Spuren von Pop und Rhythm and Blues. „Postcard from Hell“ ist beispielsweise eine ruhige, gleichzeitig aber auch sehr spannungsvolle Nummer mit dramatischer Instrumentierung und verführerischen Vocals. Man mag „2“ als weichgespült und zu massenkompatibel kritisieren. Fakt ist jedoch, dass die neuen Songs um einiges facettenreicher und eigenständiger sind als die vorherigen. Saint Lu ist auf dem besten Weg, nicht mehr nur wegen ihrer markanten Stimme aufzufallen, sondern auch wegen ihres individuellen Stils: einem ausdrucksstarken, kraftvollen Rock-Soul-Blues-Gemisch, das zwar den 60ern und 70ern entlehnt, aber im Jetzt angekommen ist.

Text: Henrike Möller

Saint Lu Privatclub, Sa 20.4., 19 Uhr, VVK: 16 Ђ zzgl. Gebühren

Mehr über Cookies erfahren