Konzerte & Party

Mia. in der Max-Schmeling-Halle

Mia.

Das Cover von Mia.s im März erschienenem Album „Tacheles“ gibt ein kleines Rätsel auf. Das Gesicht von Sängerin Mieze Katz ist frontal und im Profil gleichzeitig zu sehen, doch muss man zweimal hinschauen, um es zu entdecken. Man kann das Cover als Sinnbild für eine zweite Seite der Band verstehen, für eine musikalische Richtung, die bislang im Verborgenen lag. Auf „Tacheles“ findet diese nun ihren Weg nach draußen. Und anders als das zweite Gesicht auf der Hülle sind die musikalischen Neuerungen sofort ersichtlich.
Die verspielte Leichtigkeit, mit der die Band auf „Zirkus“ oder „Willkommen im Club“ bestach, die beschwingt hüpfende Stücke wie „Tanz der Moleküle“ oder das klimpernde „Mein Freund“ zu kleinen Hits machte, sucht man hier vergeblich. Melancholie und Schwere sind die neuen Merkmale der Berliner. Fast scheint es, als hätte die 2011 auf ein Quartett zusammengeschrumpfte Band genug von der mainstreamtauglichen Gefälligkeit, zu der sie sich mit ihrem Elektro-Pop über die Jahre hinentwickelt hat. „Ich stemme mich gegen den Wind“, singt Mieze Katz nun vielsagend im knarzigen Auftaktsong „Sturm“, der mit einer für die Band ungewöhnlichen Sperrigkeit daherkommt. Die hatten Mia. mit früheren Stücken, etwa in „Floß“ oder „Verfolger“, schon angedeutet, nie jedoch in dieser albumeinnehmenden Offenheit ausgespielt. Hinzu gesellt sich eine Düsternis, die man bislang von der Band nicht kannte. „Am Tag danach“ spielt mit Dissonanzen, klerikalen Chören und bleiernem Piano, in „Rien ne va plus“ läuft die rastlose Hi-Hat gemeinsam mit einer todtraurigen Mieze Katz der verlorenen Liebe hinterher. Das fatalistische „Brüchiges Eis“ lehnt sich mit seiner Schwermut beim Soul an, bricht nach der Hälfte ab und endet in einem dicht arrangierten Instrumentalpart. Massiv von den Achtzigern beeinflusst zirpen, zucken und quietschen andernorts die Effekte. Die Gesamtstimmung bleibt dennoch ungewöhnlich: kühl und betroffen.

Text: Nadine Kleber

Foto: 2011 H.Flug

Mia. + Laing, Max-Schmeling-Halle, Sa 15.12., 20 Uhr, VVK: 40 Euro zzgl. Gebühr

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