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Sarabeth Tucek: „Get Well Soon“

Sarabeth Tucek: Get Well SoonMeine Platte, meine Gefühle – take it or leave it. Aber wer bleibt, wird reichhaltig belohnt. Umgehend entfaltet sich Sarabeth Tuceks wunderbar warme Stimme und zieht einen tief in die Gefühlswelt der New Yorkerin, die beim Songwriting und den Aufnahmen spürbar vom Tod des Vaters betroffen war und mit Liedern über Verlust, über Schmerz und über Trauer reagierte. Nur sind diese hier so ergreifend dargebracht, dass man sich selbst am Gänsehaut-Schaudern noch wunderbar wärmen kann.
Dies ist erst das zweite Album nach dem Debüt „Sarabeth Tucek“ (2007). Während die von Ethan Johns und Luther Russell produzierten Anfänge aufgrund der in Folk und Country angesiedelten Songs ihr bald den Ruf einer großen Singer/Songwriter-Hoffnung eintrugen, wäre diese Bezeichnung für „Get Well Soon“ viel zu kurz gegriffen. Tucek hat hier – wieder mit Russell – ein getragenes, schwermütiges Rock-Album aufgenommen, das bei aller ergreifenden Traurigkeit durch vielseitige, aber stets transparente Arrangements und eine mutige Dynamik immer wieder auch Gefühle von Hoffnung und Aufbruch evoziert.
Verzerrte Gitarrenausbrüche, wie sie Neil Young spielen würde, brechen machtvoll die Nostalgie sich verflüchtigender Erinnerungen auf („Wooden“), sakrale Progrock-Keyboards wechseln sich mit Folkgitarren ab („Rising“), perlendes Piano und nagelndes Fingerpicking wiederbeleben den Westcoast-Pop der frühen Siebzigerjahre („The Doctor“).
Eine erhebende Platte, die beachtliche Parallelen zu Aimee Manns Meisterwerk „Bachelor No. 2“ aufweist und die auch glänzend vermag, im Sinne ihres Titels zu wirken: Get well soon – gute Besserung!

Text: Hagen Liebing

tip-Bewertung: Herausragend

Sarabeth Tucek, Get Well Soon (Sonic Cathedral/Rough Trade/Imp.)

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