Oper

„Satyagraha“ an der Komischen Oper

Über Ghandi: Endlich wird ein Werk von Philip Glass in Berlin inszeniert

Jan Windszus Photoraphy

Wenn man bedenkt, dass Berlin über drei Opernhäuser verfügt, sind die Löcher, die im Repertoire klaffen, erstaunlich. Kein Mensch hat hier je eine Lully- oder eine Vivaldi-Oper gesehen. Um Spontini, Graun und andere Lokalgötter drückt man sich. Auch die Welterfolge von Philip Glass haben an Berliner Opernhäuser niemals ihren Weg gefunden. „Einstein on the Beach“, der wichtigste, brachte es immerhin auf ein Gastspiel bei den Festspielen.

Fast nur Barrie Kosky kümmert sich um derlei Fragen – und schloss bereits die Rameau- und die Operetten-Lücke in Berliner Spielplänen. Auch die Berliner Erstaufführung von Glass’ wichtigster Oper seither, nämlich „Satyagraha“, geht auf Koskys Initiative zurück. Die 1980 in Amsterdam uraufgeführte Oper behandelt Mahatma Gandhis Zeit in Südafrika (vor 1914). Der Titel benennt Gandhis politische Grundhaltung, durch Gewaltlosigkeit und Einstecken-Können die Position des Gegners zu wenden.
Als Regisseur wurde der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui gewonnen. Andernorts bejubelt, sogar kultisch verehert, hat er in Berlin bislang Pech gehabt. Im verunglückten „Ring des Nibelungen“ von Guy Cassiers an der Staatsoper bekam er buchstäblich kein Bein zur Erde. Da sich Cherkaoui mit östlicher Philosophie und Klosterriten auskennt, dürfte er eine – endlich mal wieder – vernünftige, nicht nur prominente Wahl sein. Den Gandhi singt Tenor Stefan Cifolelli (Foto). Es dirigiert Jonathan Stockhammer. Dies Glass-Work ist überfällig.

Komische Oper Berlin Fr 27.10., 19.30 Uhr, Di 31.10., 18 Uhr, Do 2.11., 20 Uhr, So 5.11., 18 Uhr, Fr 10.11., 20 Uhr Karten 12 bis 92 €

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