Rap

ScHoolboy Q im Astra Kulturhaus

ScHoolboy Q erzählt Straßen­geschichten ohne Sozialromantik

Foto: Quentin Curtat
Foto: Quentin Curtat

Anfang der Neunzigerjahre wurde der Eintrag „South Central Los Angeles“ im Lebenslauf eines Rappers wie eine Auszeichnung gehandelt. Damals dominierten, inspiriert von blutigen Bandenkriegen, die harten Jungs den amerikanischen HipHop. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, Schusswunden qualifizieren längst nicht mehr automatisch für eine HipHop-Karriere. Auch Quincy Matthew Hanley hat diese Lektion gelernt.
Auf seinem gefeierten Debüt unter dem Alias ScHoolboy Q vermischte sich der Sozialrealismus einer Jugend in den Straßen von South Central, der in den besten Momenten an den griffigen Lyrizismus von Mobb Deep erinnerte, mit einem seltenen Gespür für Hooklines, der Nachfolger kokettierte dann aber bisweilen etwas übertrieben mit Gangster-Allüren. Auf „Blank Face LP“ zeigt sich ScHoolboy Q nun musikalisch gereift. Die Texte gewähren wieder ernüchternde Einblicke in den Erfahrungsschatz eines jungen Mannes, der einen Großteil seiner Jugend unter dem Gang-Kodex verbrachte, doch heute ist South Central kein mythischer Ort mehr. Wie sein Kumpel Kendrick Lamar, der auf den beiden letzten Alben ohne Verklärung sein Coming-of-Age im Gangland Compton reflektierte, hat auch Hanley erkannt, dass die Gewalt in den afroamerikanischen Vierteln den Zusammenhalt der Communitys zerstört hat. Soweit ist es in Amerika 2016 also gekommen: Jetzt entdeckt sogar der Gangster-HipHop sein politisches Bewusstsein.

Astra Revaler Str. 99, Friedrichshain, So 27.11., 20 Uhr, VVK 32 € zzgl. Gebühren

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