Konzerte & Party

Scissor Sisters im Postbahnhof

Scissor Sisters

Vor sechs Jahren waren die Scissor Sisters zum ersten Mal bei uns und gaben im kleinen Mudd Club ein Konzert der ersten Güte. Man präsentierte sich als richtige Live-Band und nicht wie befürchtet als Ansammlung von Playback-Mimen, die zur ersten Single „Electrobix“ und anderen DJ-Tools Bewegungen macht. Optisch war es ein Spektakel zwischen Camp und Kitsch, musikalisch hatte man richtig gute eigene Songs vom späteren Debütalbum und eine nicht minder gelungene Version von Pink Floyds „Comfortably Numb“ im Programm. Auch danach waren Scissor Sisters voll auf Musik der 70er-Jahre fixiert. So sehr, dass sich kein Geringerer als Elton John als Komponist zur Verfügung stellte. Der von ihm mitgeschriebene Hit „I Don’t Feel Like Dancin'“ verhalf der Band zum weltweiten Durchbruch.  
Scissor Sisters waren plötzlich keine Kellerband mehr, sondern Popstars. Das erzeugt Druck. Die Band wollte ihn wegleugnen, indem sie sich schnell wieder ins Studio begab und neue Songs aufnahm. Denen fehlte aber etwas Entscheidendes, wie Jake Shears frustriert feststellen musste. „Für mich hörte es sich kastriert und frigide an. Wir brauchten mehr Spannung und Sex-Appeal“, sagte er der BBC. Auf Initiative des Sängers entschied man, das fertige Material einzustampfen und noch einmal von vorne anzufangen. Danach reihte sich Shears in die Schlange der prominenten Berlin-Touristen ein. Er wollte sich ein paar Monate lang die Nächte um die Ohren schlagen und wieder den Kopf freibekommen. Und es hat geholfen. Auf dem neuen Album „Night Work“ geht es zu wie im Lustgarten. Der knackige Männerhintern auf dem Cover hat anziehende Wirkung, Co-Sängerin Ana Matronic befiehlt ihrem Partner, es ihr da zu besorgen, wo er gerade will: vor dem Kamin, vor der Yacht oder vor den Eltern. Das ist einerseits amüsant und vor allem nicht mehr so glatt und geschmacksneutral, wie es zwischenzeitlich war. Scissor Sisters sind wieder da, wo sie sich am wohlsten fühlen: nahe an der Disco-History und heutigen Clubkultur. Das garantiert Partystimmung – so wie damals im Mudd Club.

Text: Thomas Weiland

Scissor Sisters, Postbahnhof, Di 13.7., 21 Uhr, VVK: 30 Euro

Mehr über Cookies erfahren