Konzerte & Party

Scott Matthew im Gespräch

Scott Matthew

Für sein neues Album hat der seit dem Film „Shortbus“ gefeierte Songwriter Scott Matthew vierzehn Cover-Versionen aufgenommen – eine extreme Bandbreite, von den Bee Gees bis Joy Division. Der Titel „Unlearned“ bezieht sich darauf, die Original-Songs zunächst zu verlernen, um dann einen ungetrübten, frischen Blick auf sie zu werfen. Auf seiner aktuellen Tour mit dem Album macht Scott Matthew schon zum zweiten Mal in diesem Jahr Halt in Berlin. Mit uns hat er über die Kunst des Coverns gesprochen.


Würden Sie es mögen, Ihre eigenen Songs auf eine „verlernte Weise“ neu zu hören? Wie könnten die klingen?

Ja klar, ich mache das auch auf Youtube, wo Leute meine Songs covern – wobei ich die ehrlich gesagt eher nicht so richtig mag. Trotzdem ist es eine Ehre, wenn Leute deinen Song nehmen und ihn neu interpretieren. Vielleicht könnte man mal eine ganz neue Version von meinen Songs machen, etwa Heavy Metal.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Songs für das Album ausgesucht?
Am Anfang standen viele Songs, bei denen es eine besonders starke Reaktion zwischen mir und den Texten gab. Eine sehr ähnliche Reaktion wie bei Songs, die ich selbst geschrieben habe. Manche hatten wir schon oft live gespielt. Mit denen fühlten wir uns sehr wohl, auch die Fans. Von vielen Songs haben wir Demo-Aufnahmen gemacht. Manche funktionierten sehr gut, andere verloren etwas. Aber natürlich brauchten wir auch die juristische Erlaubnis, die Songs zu covern.

Mit welchen Erlebnissen aus Ihrem eigenen Leben stehen die Songs in Verbindung?
Mein Vater ist ein Hobby-Musiker, er spielt Gitarre und singt, schon seit ich noch ein Kind war. Besonders der Song, den ich auf dem Album mit ihm singe, „Help Me Make It Through The Night“ ist extrem persönlich. Lange hatten mein Vater und ich keine gute Beziehung zueinander. Der Song steht als Symbol für unsere reparierte Beziehung und den Respekt, den wir jetzt voreinander haben.

Fügen Sie den Songs eher etwas hinzu oder reduzieren Sie sie auf ihren ursprünglichen Kern?
Mein Prozess besteht darin, sie zu reduzieren, auszuziehen, ihre Basis herauszuarbeiten, angefangen bei den Akkorden. Manchmal füge ich etwas hinzu, aber nicht immer. Bei „Love Will Tear Us Apart“ ist es fast nur Klavier, ein bisschen Bass. Das ist alles was ich wollte: Ein Instrument und eine Stimme.

Ist die Essenz all dieser Songs so tragisch – auch bei den Originalen?
Wenn man sich bei „I Wanna Dance With Somebody“ die Version von Whitney Houston anhört, ist das vielen Leuten wohl entgangen, worum es in dem Song eigentlich geht. Das ist kein Party-Song, sondern ein Lied darüber, sich sehr einsam zu fühlen und von der Liebe enttäuscht zu sein. Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Interpretation.

Nehmen die Cover-Versionen Einfluss auf die Songs, die Sie zurzeit schreiben?
Vielleicht. Das war auch ein Vergnügen, fremde Songs zu de-mystifizieren, zu verstehen, worum es in ihnen geht. Das hilft auch beim Schreiben eigener Songs.


Viele Kritiker sagen, dass die „unlearned Songs“ sehr ähnlich klingen wie original Scott Matthew Songs…

Beschweren sie sich darüber?

Manche schon. Haben Sie zu Ihren eigenen Songs eine ähnliche Beziehung wie zu den Cover-Versionen?
Ich finde das skurril, sich darüber zu beschweren. Wie sonst sollte ich denn klingen? Cover-Versionen unter meinem Namen zu machen – das muss doch letztlich ich selbst sein.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Michael Mann

Scott Matthew Heimathafen Neukölln, Di 12.11

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