Konzerte & Party

Scritti Politti im HAU

Scritti Politti

Nicht jeder, der Pop liebt, kann Pop leben. Pop passt auch nicht in jede Phase – ist am Ende aber doch Grundnahrungsmittel und deshalb kommt Green Gartside immer wieder zurück, zum Glück. Seine unvergleichlich liebliche, Soul erfüllte feine Falsettstimme ist einzigartig. Nicht nur in seiner Generation der hedonistischen New Waver wie ABC, Human League, Gang of Four, die sich vom ruppigen, limitierten Postpunk abwandten, Jacques Derrida lasen und Interesse für Jazz, Soul und HipHop, später Grunge und Techno entwickelten. Ganze fünf Alben hat Gartside als Mastermind mit seiner Band Scritti Politti seit 1982 veröffentlicht. Mit seinen größten Erfolgen stieg er in den Olymp auf, „Wood Beez (Pray Like Aretha Franklin)“ und „Perfect Way“ erreichten hohe Chartpositionen. „Aber kaum, dass es richtig losging, wollte ich wieder weg davon“, sagt der von Angstattacken geschüttelte, sensible Gartside, beendete seine Zeit in L.A. und New York, verkroch sich im heimatlichen Südwales, um sich letztlich im Osten Londons niederzulassen. Dass seine Verbindung von weißem englischen Pop und schwarzem amerikanischen R&B außerordentlich einflussreich und stilprägend wurde, interessierte ihn wenig. Stattdessen schraubte er seine Produktionsmittel deutlich runter und veröffentlichte 2006 mit „White Bread Black Beer“ ein nahezu akustisches Album. Inzwischen ist er, fein dosiert, wieder zurück, unerschrocken in seinem Glauben an das, was der englische Autor Simon Reynolds im Booklet einer Scritti Politti Compilation so beschreibt: Pop ist immer noch in der Lage von Werten und Energien jenseits von Kapitalismus zu sprechen.

Text: Christine Heise

Foto: Tom Sheehan

Scritti Politti, HAU, Do 29.11., 20 Uhr, VVK: 22/16,50 Euro (erm.)

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