Konzerte & Party

Sechs Berliner Bands und Musiker auf der Berlin Music Week

Berlin wird gerade in den Tagen der Berlin Music Week wieder überquellen von Plattenbossen, Produzenten und Managern. Wir zeigen Ihnen, auf welche sieben Berliner Musiker und Bands diese besonders achtgeben sollten

Jamie_Lee_Fenner

Jamie Lee Fenner       

Im Sommer hat die 16-Jährige aus Mariendorf ihr Debütalbum „Who I Am“ aufgenommen. Eigentlich mehr als private Dokumentation der frühen Schritte als Musikerin. Dann nahm sich das kleine Label Playgroud Records begeistert ihrer an. Die zwölf Songs der Platte  zeigen nicht nur Fenners beachtliches Gesangstalent, sondern auch ihre  Fähigkeiten als Songwriterin – alles selbst gemacht! Ihre Country-Balladen mit starkem Popeinschlag kann man am ehesten noch mit Taylor Swift vergleichen. Keine schlechte Referenz für einen Teenager.
www.facebook.com/jamieleefennermusic


Guido-Woller

Mary Ocher   

Eine ruhige Kindheit und Jugend hatte Mary Ocher nicht gehabt, aber vielleicht war es gerade diese Unstetigkeit, die sie zu ihrem radikalen künstlerischen Kosmos führte. Die Musikerin, Lyrikerin, Regisseurin und Künstlerin ist 1986 als Mariya Ocheretianskaya in Moskau geboren. Als sie fünf war, siedelte die Familie nach Israel um, 2007 zog sie nach Berlin. Mit klobiger Kastenbrille, blondem Schopf und verstimmter E-Gitarre schreit sie apokalyptische Kriegslieder hinaus. Ihre Musik ist kein Weird Folk, eher War Folk. Gleichermaßen zehrt die abgründige Songwriterin aus der klassischen Avantgarde, russischen und orientalischen Traditionen, Broadway und psychedelischem Rock. Nebenbei organisiert sie Ausstellungen, macht konzeptuelle Installationen und Filme. Das Zeug zum Star mag Ocher vielleicht nicht haben, dafür ist ihre Kunst zu sperrig, zu eigensinnig. Doch ihr episches Zweitwerk „Eden“, knackig produziert von King Khan, ist eine der spannendsten Berliner Veröffentlichungen des Jahres.
www.maryocher.com


amstart_tv

PACS

Vier Schülerinnen, bei denen noch nicht unbedingt jeder Ton stimmt, aber auf jeden Fall die Attitüde. PACS spielen Trash-Beat mit starkem Sixties-Einschlag, singen Texte über ihre Stadt („In Berlin“) und die Liebe (Arschloch“, „Mädchen“) und erinnern angenehm an die ersten Schritte der einstigen Lokalmatadorinnen Lemonbabies.     
Konzert: Kaffee Burger, 18.9., 21 Uhr, AK: 5 €


Valeria-Mitelman

Louise Gold

Bisher war ihre Visitenkarte dergestalt, dass sich Talentscouts etwas ratlos an der Bar lümmelten, denn die Sache mit dem Retro ist nicht allzu lange sexy. Swing, Bossa Nova und 20er-Jahre-Style, mit dem sie im Frühjahr zusammen mit dem Quarz Orchestra für Aufmerksamkeit sorgte, rutschen schnell in eine popmusikalische Parallelwelt. Lässt die blonde Potsdamerin mit Wohnsitz in Berlin aber ihr Orchester zu Hause, blüht die Songpoetin auf, rechnet in feinen Tönen, zwischen Jazzphrasierung und Torch-Gesang, begleitet von Gitarre und zweiter Stimme, mit Illusionen und falschen Versprechungen ab. Ohne Druck, mit Leichtigkeit und schönen Tönen.

Man wartet auf ein Solodebüt. Darauf könnte sie dann auch ihre dunkle, dramatische Seite zeigen, wenn sie zur E-Gitarre im Song „Terra Caprice“ den unheilvollen Stürmen folgt, unerschrocken einen tief grollenden Brustton anschlägt. Ob sich ihr eigenwilliger Stil in ein Erfolg gekröntes Popkonzept bringen lässt – vielleicht eine zu große Aufgabe für deutsche Produzenten? Das Starpotenzial bringt sie jedenfalls schon mal mit.
www.goldquarz.com


Romy-Maxime

Mighty Oaks   

Ganz bescheiden hatten sich Mighty Oaks Ende Juni als Vorband von Kings of Leon auf die Bühne getraut und sich schließlich mit Banjo und Mandoline sacht in die Herzen der Waldbühnenbesucher gezupft. Zwischen Wärme und Melancholie changiert der raue Gesang von Ian Hooper, dem aus dem Nordwesten der USA stammenden Sänger des Trios, der die Weite und Schönheit seiner Heimat mühelos in seine Songs zu transferieren vermag. Zu soliden Indiefolkgitarren gesellen sich dreistimmiger Gesang, Piano und eine wohldosierte, wiederum Weite suggerierende E-Gitarre. Mighty Oaks treten damit stilistisch in die Fußstapfen von Mumford & Sons und erzeugen dabei ein Gefühl wunderbar schmerzlichen Fernwehs.
Live beim First We Take Berlin Festival, Magnet, Mi 4.9., 23.30 Uhr und beim Berlin Festival, Flughafen Tempelhof, Sa 7.9., 18.45 Uhr

Ina-Schoof

Charity-Children

Chloë Lewer und Elliott McKee konnte man die letzten beiden Sommer über in Berliner Kneipen wie dem Intersoup, im Park oder an Straßenecken antreffen. Mehr als Lewers Ukulele, Ziehharmonika und andere handliche Instrumente, die sich problemlos in einem Koffer unterbringen lassen, braucht das aus Neuseeland übergesiedelte Paar nicht, um erstaunliche zweistimmige Gefühlstalfahrten und -höhenflüge anzukurbeln. Ein bisschen wie Mumford & Sons im Pocketformat.
www.charitychildrenband.com

Fotos: Guido Woller (Orcher), Amstart TV (Pacs), Valeria Mitelman (Gold), Romy Maxime (Mighty Oaks), Ina Schoof (Charity-Children)

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