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The Secret Sisters: Put Your Needle Down

The Secret Sisters: Put Your Needle DownDass in den Schwestern aus Alabama auch ein dreckiges Rock’n’Roll-Herz schlummert, mochte man gar nicht glauben, als sie vor vier Jahren mit ihrem Bluegrass und Old Country debütierten. Die Reinheit der Stimmen, die perfekte Harmonie, ihr nostalgischer Auftritt im Stil der dreißiger, vierziger Jahre – willkommen in der O-Sister-Welt. Um dieser schnell zuschnappenden Falle zu entkommen, setzen sie für ihr zweites Album „Put Your Needle Down“ auf einen komplexen, moderneren Sound, den Produzent T-Bone Burnett ähnlich lässig beherrscht wie das Traditionelle des Vorgängers, die resonanzreichen Gitarren kommen vom Eklektiker Marc Ribot, vom Ex-Lucinda-Williams-Sidekick Gurf Morlix sowie von T-Bone selber, dessen rhythmisch gegenläufiger Stil immer ein bisschen surreal wirkt.  Sie schaffen Raum für schwül-schmutzigen Blues, treibende Gospelstrukturen und jingeligen Rockabilly im Stil der Everly Brothers. Ein Soundbett für Songs, die diese zweite Platte zu einem Schritt nach vorne machen: neun von zwölf haben die Sisters selber geschrieben respektive mitgeschrieben, so wie das Bob-Dylan-Leftover „Dirty Lie“, das er ihnen höchstpersönlich zur Vollendung überließ, oder das sinistre „The Pocket Knife“ von PJ Harvey, mit der Geschichte vom Mädchen, das sich gegen die ungewollte Verheiratung wehrt („Mummy, put your needle down, ’cos I feel like I’ve just been born“), all das erzählen sie mit großer, abgründiger Entschlossenheit, als wären sie des Country-Folks Antwort auf Warpaint. Der Boudleaux-Bryant-Song „Lonely Island“ gerät auch dank tremoloreicher Streicher zur schönsten Ich-möchte-sterben-Hymne, und wer hätte gedacht, dass in den gesunden Southern Souls der Schwestern so eine Lust am Leid schlummert wie in „Bad Habit“? Kunstvoller kann man Gefühlen kaum in die Tiefe folgen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Herausragend (6/6)

The Secret Sisters, Put Your Needle Down (Republic/Universal)

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