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Seeed: „Seeed“

Seeed: SeeedVor drei Jahren verabschiedete sich Peter Fox in der Wuhlheide von seinem Publikum. Unter diesem Namen angeblich für immer. Er wollte lieber mit Seeed weitermachen und holte die Band symbolisch während der Zugabe zu sich. Ganz so leicht ließ sich die Zeit dann aber doch nicht zurückdrehen. Für eine eigentlich startklare Gruppe mit elf Leuten hat sich das Comeback ganz schön hingezogen und wurde mit einer Version von Blacks 80er-Schnulze „Wonderful Life“ nicht gerade optimal eingeläutet. Es folgte „Beautiful“, eine zwischen Rock, Reggae und Rap schwankende Single, die durch den Einsatz einer echten Bläser­gruppe gerade noch gerettet wird. Seeed wollen offenkundig so sein, wie sie immer waren, und gleichzeitig nicht dasselbe machen. Bei der Umsetzung dieses Plans waren sie aber zu zögerlich und wirken auf „Seeed“ auch einfach nicht locker genug.
„Deine Augen machen bling-bling und alles ist vergessen“, singt der sich jetzt wieder Enuff oder Pierre Baigorry nennende Anführer, während im Hintergrund ein Bhangra-Beat seine Kreise zieht. Der Text witzig, der Gesang lebendig und die Musik originell. Ein echter Seeed-Klassiker. Wohl fühlt man sich auch in „Seeeds Haus“, wo mitten in grünen Rauchschwaden mit Frauen und Schampus gefeiert wird. Dazu fährt die Band satten Electro-Sound auf. Gegen den Lovers Rock in „You & I“ kann man auch nichts haben. Sonst aber hört sich bei den zwölf Titeln, von denen nur acht wirklich neu sind, vieles nach Routine an.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Seeed ist schon noch gut. Es gibt in Deutschland keine Band, die einen vergleichbaren Sound so hinbekommt und damit ganz nebenbei auch noch unser multikulturelles Großstadtleben repräsentiert. Das Problem ist nur, dass diese elf Freunde die Latte mit „Music Monks“ und „Next!“ schon recht hoch gelegt hatten. Für Stadtaffe Peter Fox gilt das erst recht. Hier geht mehr.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Annehmbar

Seeed, Seeed (Warner)

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