Kommentar

„Sgt. Download“ von Stefan Hochgesand

Ich muss ja zugeben, dass ich bei der Frage, ob die größte Pop-Platte aller Zeiten nun Bob Dylans „Blonde on Blonde“ (1966), „Pet Sounds“ (1966) von den Beach Boys oder der Beatles’ „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967) ist, immer auf der Seite der Beach Boys stand. Wer die für Gute-Laune-Surfer hält, verwechselt auch Goethes „Werther“ mit dem Quatsch ­Comedy Club

Stefan Hochgesand

Nun denn, jetzt halte ich die anlässlich des Jubiläums erschienene Remastered-Version von „Sgt. Pepper’s“ in der Hand und bin gewillt, noch mal übers Pop-Ranking nachzudenken. Plötzlich höre ich (autsch, geht das nur mir so?) Gitarren an Stellen, an denen sie mir vorher entgingen.
Vielleicht ist der Klang aber auch deshalb so geil, weil man die Vinylscheibe tatsächlich auf dem Plattenspieler hören muss. Sonst liegen ja (fast) immer diese Download-Kärtchen bei, mit denen man das Album digital herunterladen kann. Bei Pepper aber fehlt der Download-Code.
Eine auch in Berlin nicht unbekannte Kleidungskette hat ermittelt, dass die Hälfte ihrer Plattenkäufer gar keinen Plattenspieler hat, sondern das Vinyl gepflegt ins Deko-Regal schiebt. Joa. So it goes. Distinktionsverhalten heißt das auf schlau. Legst du noch (auf) oder lädst du schon (runter)? Auf die Gefahr hin, mich als Lonely Heart zu outen, gestehe ich hier mal, dass ich an beidem Spaß finde. In der U-Bahn zum Beispiel. Wege-Bier und Wege-Beatles. Ich weiß, man darf da nicht trinken. Sgt. Pepper möge mich verhaften.

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