Hip-Hop

Shabazz Palaces im Gretchen

Unendliche Weite: Das Duo Shabazz Palaces meldet sich aus den Tiefen des Weltalls

Foto: Victoria Kovios

In den 70er-Jahren schoss die NASA von Menschenhand geschaffene Artefakte in den Space, um Kontakt zu außerirdischen Lebensformen aufzunehmen. Ein Zeichen des unerschütterlichen amerikanischen Fortschrittsglaubens. Umgekehrt gibt der Blick aus dem All auf die USA aktuell wenig Anlass zu ähnlichem Optimismus. Mastermind Ishmael Butler schlüpft auf „Quazarz: Born On A Gangster Star“, der neuen LP des experimentellen Duos aus Seattle, in die Rolle des Weltraumfahrers Quazarz, der aus sicherer Entfernung die poli­tische Entwicklung der USA kommentiert. Das schwarze Alien als Gegenentwurf zur afrikanischen „Diaspora“ ist in der Popmusik eine wiederkehrende Figur, von Sun Ra über Mothership-Kapitän George Clinton bis zum Techno-Kollektiv Drexciya. Shabazz Palaces erweitern die Idee des Afrofuturismus um Elemente islamischer Mythologie, bleiben musikalisch aber den weirden, freien Spielarten schwarzer Musik verhaftet. Das Konzeptalbum bildet zusammen mit dem zeitgleich erschienenen „Quazarz vs. The Jealous Machines” eine Doppelspitze des experimentellen Hip-Hop. Ausgehend vom Oldschool-Conscious-Rap Butlers einflussreicher Band Digable Planets, drehen Shabazz Palaces soundtechnisch weitere Schleifen, um das Verständnis von schwarzer Musik in psychedelische Sphären hochzuschrauben.

Gretchen Obentrautstr. 19–21, Kreuzberg, Mo 23.10., 20 Uhr, VVK 17 €

 

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