Konzerte & Party

Shackelton im Berghain

Shackleton

Damit die Toten auch etwas von den Festen und der Musik der noch Lebenden haben können, werden sie nach einem westafrikanischen Totenkult zu bestimmten Gelegenheiten wieder ausgegraben. Sam Shackleton war fasziniert von dieser Idee und nannte deshalb sein Label „Skull Disco“. Und obwohl die Plattenfirma mittlerweile nicht mehr existiert, ist der Tod immer noch ein zentrales Thema in seiner Musik. Ursprünglich stammt der unscheinbare Kerl mit dem kugelrunden Kopf aus dem Norden Englands, genauer gesagt aus Lancashire, und kam schon früh mit dem Musikmachen in Berührung. Angefangen hat er in Punk-Bands, wo er sich, wie er selbst sagt, eine gesunde Gleichgültigkeit gegenüber der Meinung anderer antrainiert hat. Glücklicherweise, denn ob seine Musik nun wirklich Dubstep ist oder nicht, darüber streiten sich immer wieder die Geister. Es gibt darauf aber keine eindeutige Antwort, denn in Shackletons Stücken finden sich sowohl Elemente der zeitgenössischen elektronischen Musik wie auch traditionelle westafrikanische oder orientalische. Lineare Arrangements sind überhaupt nicht sein Ding und so hat er beispielsweise für „Death Is Not Final“ geschlagene zwei Monate ausschließlich damit verbracht, die Drums zu arrangieren. Vielleicht liegt es gerade an diesem Perfektionismus, dass seine Stücke eine eigenartig hypnotische Wirkung entfalten. Eingebettet in drückende, unmittelbar physisch spürbare Bässe, sind oft verstörende Effekte und Sprachfetzen darin verwoben. In ihren besten Momenten wird diese Musik dann zum spürbaren Albtraum. Einer, von dem man seltsamerweise aber nicht genug bekommen kann.

Text: Lucas Negroni

Sub:stance mit Shackleton + Scuba + Hatcha u.a., Berghain/Panoramabar, Fr 15.4., 24 Uhr, AK: 12 Euro

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