Konzerte & Party

Sharon Jones im Huxleys

Sharon Jones

Eine Haltung, die im Stolz auf Erreichtes gründet, die indes auch klanglich dingfest zu machen ist. Durch weitgehenden Verzicht auf Kompression im Studio, durch kompromissloses Festhalten an klassischen Signaturen. Amy Winehouse bediente sich dieses Funk-Fundamentalismus für ihr Erfolgsalbum „Back To Black“, andere Berühmtheiten stehen Schlange für Kollaborationen mit den Soul-Ästheten in Bushwick, Brooklyn. Bob Dylan bat um einen Remix, Lou Reed nahm Sharon Jones mit auf Tour, Kanye West bediente sich diverser Samples der Dap-Kings.
Desco heißt längst Daptone. Das Studio und Label beheimatet eine ganze Reihe von Acts zwischen Soul und Deep Funk, ist Brutstätte für Talente, analoges Soundlabor und Plattenfabrik. Mit ein paar Dutzend 7-Inch-Singles fütterte man Fans, Jukeboxes und Soul-Clubs, die Auflagenentwicklung, so Hausproduzent Gabriel Roth, sei überaus erfreulich. Tatsächlich wuchs nicht nur die Nachfrage nach Daptone-Vinyl, auch die Live-Shows der alliierten Acts, von Charles Bradley bis zur Menahan Street Band, ziehen von Tour zu Tour mehr Besucher. Publikumsmagnet Number One bleibt freilich Sharon Jones und ihr formidables Ensemble. Zur Promotion ihrer letzten LP, „100 Days, 100 Nights“, bespielten sie noch den völlig überfüllten Berliner Soul-Club Bohannon. Die gerade erschienene neue LP „I Learned The Hard Way“, ihre beste bisher, wird live bereits auf größerer Bühne vorgestellt.
Sharon Jones wird sie zu füllen wissen, aufgedreht und überdreht, im Rücken ein so verlässlich exakt wie mitreißend spielendes Oktett. Die Antithese zu gepflegter Konfektion: es hämmert und scheppert, wummert und kracht. Und inmitten der scharfen Bläser und Wah-Wah-Gitarren, nach den funkensprühenden Beats der Rhythm Section wird die gedrungene Gestalt Sharons verblüffend geschmeidig über die Bretter fegen, Anrüchiges zum Besten geben und sich die Seele aus dem Leib singen. Selbst schuld, wer sich das entgehen lässt.

Text: Wolfgang Doebeling

Foto: Laura Hanifin 

Sharon Jones & The Dap-Kings
im
Huxleys, Di 19.10., 21 Uhr


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