Konzerte & Party

Sharon van Etten im Grünen Salon

Sharon van Etten

Manchmal sind die richtigen Dinge einfach zu naheliegend. Sharon Van Etten etwa ging es so mit New York. Aufgewachsen in New Jersey und immer schon mit feiner Sopranstimme und gutem Gehör ausgestattet, sträubte sie sich dagegen, ihr Glück in der nahen Metropole zu suchen. Stattdessen begab sie sich nach Tennessee: eine sechsjährige Irrfahrt, nach der die Songschreiberin mit abgebrochenem Studium und gebrochenem Herzen dastand. Ihre bitteren Erfahrungen, die sie in einer ungesunden Beziehung durchlebte, hat sie seither in drei Alben verarbeitet: das streng reduzierte, schmerzhaft bekenntnishafte Debüt „Because I Was in Love“ von 2009, ein Jahr später folgte das gleichsam verschattete, aber voller instrumentierte „Epic“. Ihr jüngstes Album „Tramp“ wirkt nun so wie ein frühes Reifewerk. Eingespielt hat es die 30-Jährige im Lauf eines Jahres ohne feste Adresse in Brooklyn. Als Ankerpunkt diente ihr vor allem das Studio von Mentor und Produzent Aaron Dessner. Der Gitarrist von The National ermutigte Van Etten auch dazu, ihre Songs nochmals weiter anzulegen, den Klangraum mit warmen Instrumenten, Chören und klaren Rhythmen auszufüllen. Womit das Ergebnis in seiner leise dramatischen Americana-Färbung durchaus an The National selbst, auch an Indie-Melancholikerinnen wie Cat Power oder Neko Case erinnert. Das helle Zentrum in der Fülle gibt aber die Sängerin selbst ab, die wahlweise im Chor mit sich selbst singt oder von Gästen wie Wye Oak, Beirut oder Dessners Stammband begleitet wird.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Dusdin Condren

Sharon Van Etten, Grüner Salon, Di 6.3., 21 Uhr, VVK: 16 Euro

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