Konzerte & Party

„She & Him“ am Freitag im Lido

She & HimVorsicht, singende Schauspieler. Maximale Aufmerksamkeit aus minimalstem Anlass, man kennt es und ist genervt. Auch Aktrice Zooey Deschannel wird eher ein Stimmchen denn ein Organ nachgesagt. Die Filme, in denen sie mitspielt, fallen einem grad gar nicht ein. Aber sie hat ein paar interessante Freunde, z.B. die talentierte Jenny Lewis, Ex-Rilo Kiley, bei der sie gastieren durfte, und – wichtiger noch – sie hatte ein paar süße Geheimnisse in ihrer Schublade: selbstgeschriebene Songs, die sie beherzt Matt Ward vorlegte. Mit ihm hatte sie gerade die Richard und Linda Thompson-Komposition „When I Get To The Border“ eingespielt, zwar nur für den Abspann von „The Go-Getter“, aber zu allseitiger Goutierung. So sehr, dass M.Ward, selber ein erfahrener Songwriter und John-Fahey-bewundernder Gitarrenvirtuose, mit ihr das Projekt She & Him gründete. Ohne Scheu und im unbeirrbaren Glauben, dass dies der Sound der Gegenwart sei, zelebrieren sie gemeinsam alles, was mit der Musik der Andrew Sisters und Carter Family, mit Buddy Holly, Brian Wilson, Carole King, Tammy Wynette, Linda Ronstadt, Neil Young und Darlene Love assoziiert wird, und M.Ward trägt dazu das Phil Spector-Hütchen.
Zuckersüßer Dreampop, Klang gewordene Mädchenträume, Melodien verführerisch wie eine Sommerbrise – kaum ein Klischee, das nicht zutrifft. Ja, ihre Stimme ist zart und wird den Erdball wohl nie umspannen. Aber was beide an ehrlicher Begeisterung für versponnenen Pop aufbringen, Gefühle von Verliebtheit und Unschuld in den Himmel schreiben, dazu brillant zwischen Piano-Pop, countryesken Folkweisen und orchestralen Hymnen wechseln, sucht ihresgleichen. Zwei Alben gibt es bereits, jetzt kommt der test of life.

Text: Christine Heise

She & Him, Lido, Fr 30.04., 21 Uhr, ausverkauft

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