Konzerte & Party

Shearwater im Comet Club

Shearwater

Manchen Leuten reicht eine Band nicht. Sie brauchen zwei. So war es auch bei Will Sheff und Jonathan Meiburg. Die beiden Texaner taten sich vor zehn Jahren erst unter dem Namen Okkervil River zusammen, merkten dann aber bald, dass sie noch ein weiteres Betätigungsfeld für die vielen Songideen gebrauchen könnten. Da schlug die Geburtsstunde von Shearwater. Es gelang den beiden Kreativköpfen tatsächlich, mehrere Jahre lang in beiden Bands Seite an Seite zusammenzuarbeiten. Erst als der Erfolg kam, ging man getrennte Wege. Zuletzt verzichtete Meiburg vor zwei Jahren auf die Doppelbelastung. Grund war „Rook“, das bisher beste Album von Shearwater, das eine deutliche Weiterentwicklung offenbarte. Plötzlich waren da nicht mehr nur nachdenkliche Songs, die von Leonard Cohen oder Will Oldham beeinflusst sind. Es kam zu gelegentlichen Temperamentsausbrüchen und der Hang zu Theatralik nahm zu.
„Rook“ enthielt zudem einen wertvollen Hinweis, in welchen gedanklichen Welten sich der Sänger bewegt. Sowohl das Album als auch die Band hat er nach Vogelarten benannt. Meiburg ist wahrscheinlich der einzige Rockmusiker auf dieser Welt, der Ornithologie studiert hat. Man merkt das auch. Die innere Ruhe, die in Meiburgs Musik steckt, kann nur weg­haben, wer sich auch mal draußen hinsetzt, Dinge beobachtet und wirken lässt.
Noch mehr Andeutungen in diese Richtung findet man auf dem aktuellen Album „The Golden Archipelago“. Auf dem Cover fährt eine mit weißem Tuch verhüllte Person auf einem Boot auf eine Insel zu, über der die Sonne aufgeht. Die Stücke heißen „Landscape At Speed“, „Hidden Lakes“ oder „Runners Of The Sun“ und werden zumeist von einem wunderbaren Wimmern in Meiburgs Stimme begleitet, das an Mark Hollis in der späten Phase von Talk Talk erinnert. Man sieht: Es gibt viel zu entdecken bei Shearwater, das ist keine Band für den schnellen Flirt.

Text: Thomas Weiland

Shearwater, Comet Club, Mo, 9.8., 21 Uhr

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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